{"id":396,"date":"2015-07-17T15:13:05","date_gmt":"2015-07-17T15:13:05","guid":{"rendered":"http:\/\/earbook.online\/hicen\/de\/?page_id=396"},"modified":"2015-07-23T09:13:53","modified_gmt":"2015-07-23T09:13:53","slug":"5-forderung-der-sprachentwicklung-in-der-gruppensituation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/earbook.online\/hicen\/de\/5-forderung-der-sprachentwicklung-in-der-gruppensituation\/","title":{"rendered":"5 &#8211; F\u00f6rderung der Sprachentwicklung in der Gruppensituation"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 32pt;\">F\u00f6rderung der Sprachentwicklung in der Gruppensituation<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gisela Batliner<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">zeigt auf, wie die H\u00f6rentwicklung der Kinder in diesen jungen Jahren unterst\u00fctzt werden kann, wie mit ihnen gesprochen werden sollte, um einen nat\u00fcrlichen Spracherwerb zu f\u00f6rdern, und welche Rolle die mitwirkenden p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte in diesem Prozess spielen.<\/p>\n<h1>Einf\u00fchrung<\/h1>\n<p>Eltern normal h\u00f6render Kinder lehren ihre Kinder die Sprache nicht, sondern sie schaffen ihnen unbewusst eine Umgebung, in der sie H\u00f6ren, Sprachverst\u00e4ndnis und Sprechen aktiv erwerben k\u00f6nnen. Dies geschieht ausschlie\u00dflich im allt\u00e4glichen Dialog, beim Wickeln, F\u00fcttern, Spielen, Bilderbuch ansehen, Aufr\u00e4umen, Tisch decken, am Spielplatz, und \u00e4hnlichen Aktivit\u00e4ten. Morag Clark aus England sagt dazu: A deaf child has special needs, but these are not for something different, but for more of normality &#8211; H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder haben besondere Bed\u00fcrfnisse, sie brauchen aber nicht etwas Spezielles, sondern mehr vom Normalen. Nie zuvor konnten auch schwerh\u00f6rige und sogar geh\u00f6rlose Kinder auf einem so nat\u00fcrlichen Weg differenzierte Sprache entwickeln wie heute. Eine wichtige Grundlage daf\u00fcr ist eine m\u00f6glichst fr\u00fche Diagnose mit kompetenter medizinischer, technischer und p\u00e4dagogischer\/sprachtherapeutischer Versorgung. Da der H\u00f6r- und Spracherwerb auch f\u00fcr h\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder im allt\u00e4glichen Miteinander erfolgt, haben neben den Eltern alle Bezugspersonen auf die Entwicklung des Kindes Einfluss, die an seiner Betreuung beteiligt sind. So k\u00f6nnen auch Sie das h\u00f6rgesch\u00e4digte Kind in seiner H\u00f6r- und Sprachentwicklung unterst\u00fctzen. In allen Entwicklungsbereichen gibt es Phasen gro\u00dfer Fortschritte, Phasen kleiner Fortschritte und Phasen scheinbaren Stillstandes. Dies gilt auch f\u00fcr die H\u00f6r- und Sprachentwicklung. Grunds\u00e4tzlich gilt: Bleiben Sie mit den Eltern und betreuenden Fachleuten im Gespr\u00e4ch. Dieser regelm\u00e4\u00dfige Austausch \u00fcber das Kind, ist die beste Basis daf\u00fcr, das Kind noch besser kennen und verstehen zu lernen und ihm auch in der Gruppe die besten Bedingungen zu geben. Es ist ganz normal, wenn Sie auch mal unsicher im Umgang mit dem Kind und der Handhabung der technischen H\u00f6rhilfen sind. Sprechen Sie dies offen an. Sie zeigen damit, dass Sie verantwortungsvoll mit Ihrer Aufgabe umgehen und Ihre Fachkompetenz erweitern m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Jedes h\u00f6rgesch\u00e4digte Kind ist anders und w\u00e4chst in seinem individuellen sozialen Umfeld auf. Dennoch gibt es einige Grundregeln, welche f\u00fcr die Interaktion hilfreich sind. In den folgenden Kapiteln wird praxisnah und anschaulich beschrieben, wie Sie die Kommunikation mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind in Ihrer Gruppe so optimal wie m\u00f6glich gestalten und damit auch die H\u00f6r- und Sprachentwicklung alltagsorientiert im Dialog f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/p>\n<h1>Kapitel 1-Die sprachliche Kommunikation mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind in der Gruppe &#8211; Wie verstehen wir uns am besten?<\/h1>\n<h2>Lernziel<\/h2>\n<p>In diesem Kapitel erfahren Sie anschaulich und mit vielen Beispielen, wie die Kommunikation mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind erfolgreich verlaufen kann. Wie und wor\u00fcber soll ich mit dem Kind sprechen und wie kann ich das Kind zum Sprechen anregen? Da sich dieses Lernprogramm auf Kinder von 0-3 Jahren bezieht, finden Sie entsprechende Anregungen zur Kommunikation mit h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern, die sich in der ersten H\u00f6r- und Spracherwerbsphase befinden.<\/p>\n<h2>Wie soll ich mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind sprechen?<\/h2>\n<p>Nehmen Sie in der Gruppe mit dem Kind \u00fcber Blickkontakt und\/oder Ansprache mit dem Namen Kontakt auf, wenn Sie mit ihm sprechen wollen. Das Kind wei\u00df so, dass es gemeint ist, und kann Ihnen konzentriert zuh\u00f6ren. Wenn Sie das Kind pl\u00f6tzlich ber\u00fchren, um es aufmerksam zu machen, kann sich das Kind erschrecken, wenn es nicht gesehen hat, dass Sie sich ihm gen\u00e4hert haben. Au\u00dferdem soll es lernen, andere Kinder auch anzusprechen, wenn es etwas von ihnen will, und nicht einfach auf deren Arm oder die Schulter klopfen.<\/p>\n<p>Sprechen Sie in normaler Lautst\u00e4rke &#8211; nicht zu leise und nicht zu laut. F\u00fcr die Verst\u00e4rkung sind die technischen H\u00f6rhilfen zust\u00e4ndig. Au\u00dferdem ver\u00e4ndern sich Ihre Mimik und die Aussprache, wenn sie lauter mit dem Kind sprechen.<br \/>\nSprechen Sie nicht zu schnell und auch nicht zu langsam. Beim verlangsamten Sprechen ver\u00e4ndern sich die Sprachmelodie, die Betonung und der Sprechrhythmus. Diese Anteile der Sprache nennt man &#8222;Prosodie&#8220;. Aus der Prosodie k\u00f6nnen h\u00f6rgesch\u00e4digte, wie auch normal h\u00f6rende Kinder, viel Inhalt entnehmen, wie z.B. ob es sich um ein Lob handelt, einen sachlichen Kommentar, eine Best\u00e4tigung oder eine ungeduldige Anmerkung. Daher ist eine nat\u00fcrliche Prosodie sehr wichtig. Au\u00dferdem geben wir dem Kind damit ein nat\u00fcrliches Sprechvorbild und f\u00f6rdern so auch eine nat\u00fcrliche Sprechweise beim Kind selbst.<br \/>\nSprechen Sie deutlich, vermeiden Sie aber \u00fcbertriebene Mundbewegungen. Dies macht das Absehen der Sprache vom Mund schwieriger, weil die Bewegungen dadurch verzerrt werden. Au\u00dferdem leidet die nat\u00fcrliche Sprachmelodie darunter.<\/p>\n<p>Sprechen Sie lebendig, das hei\u00dft melodisch und mit Betonung wichtiger Begriffe. Dies geschieht durch Lautst\u00e4rkekontraste, wie z.B. &#8222;Das kannst Du ja schon ganz alleine!&#8220; oder auch durch Vokaldehnungen, wie z.B. beim Guck-Guck-Spiel mit einem 12 Monate alten Kind: &#8222;Wooo ist der Moritz? Daaa ist der Moritz!&#8220;<br \/>\nWiederholen Sie die wichtigsten Inhaltspunkte, so wie Sie es nat\u00fcrlicherweise mit j\u00fcngeren Kindern machen, wie z.B.:\u201eSchau mal, Anna m\u00f6chte auch mal schaukeln. L\u00e4sst Du sie auch mal schaukeln?&#8220; Diese Wiederholungen sind in der ersten Spracherwerbsphase sehr wichtig, da ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind W\u00f6rter h\u00e4ufiger h\u00f6ren muss, um den Sinn verstehen zu lernen. Hat das Kind aber bereits ein gutes Sprachverst\u00e4ndnis erreicht und ben\u00f6tigt die Wiederholungen nicht mehr unbedingt, muss darauf geachtet werden diese wieder zu reduzieren. Das Kind soll ja lernen in der Regel auf einmalige Ansprache zu reagieren und den Inhalt zu verstehen. Wenn es aber gewohnt ist, dass immer alles mehrfach gesagt wird, wird seine H\u00f6raufmerksamkeit f\u00fcr Sprache eher abnehmen.<\/p>\n<p>H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder m\u00fcssen oft aus einzelnen Teilen, die sie verstanden haben, den Sinn einer Aussage kombinieren. Bieten Sie zu wichtigen Aussagen den Inhalt mit verschiedenen Begriffen an: So ist es schwerer zu verstehen, wenn Sie sagen: \u201eMax komm bitte mit\u201c, als wenn Sie sagen: \u201eMax, komm bitte mit, wir gehen nach drau\u00dfen in den Garten. Wir wollen doch noch Kastanien sammeln.\u201c Beim zweiten Beispiel kann Max aus mehreren W\u00f6rtern entnehmen, was gleich passieren wird. Falls er das Wort \u201edrau\u00dfen\u201c nicht geh\u00f6rt oder verstanden hat, kann er aus den W\u00f6rtern \u201eGarten\u201c und \u201eKastanien\u201c trotzdem noch den Inhalt kombinieren.<\/p>\n<p>Verwenden Sie eine lebendige Mimik und Gestik. Eine nat\u00fcrliche K\u00f6rpersprache macht die Kommunikation nat\u00fcrlich, lebendig und unterst\u00fctzt das, was sie inhaltlich durch die Sprache vermitteln wollen.<br \/>\nSprechen Sie in Ihrem Dialekt, wenn dies der Dialekt der Region ist. Nur ein fremder Dialekt, der in der Gruppe sonst nicht gesprochen wird, w\u00e4re f\u00fcr ein schwerh\u00f6riges Kind irritierend.<\/p>\n<h2>Wor\u00fcber soll ich mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind sprechen?<\/h2>\n<p>Gehen Sie auf das Thema des Kindes ein. Das kann beim Baby ein freudiges Strampeln, sp\u00e4ter ein Zeigen auf einen Gegenstand oder Sprache sein, wie z.B. die Frage des Kindes, das die ersten 2-Wortverbindungen anwendet: \u201eB\u00e4r aua?\u201c. Hinterfragen Sie immer wieder kritisch: Sprechen Sie wirklich \u00fcber ein gemeinsames Thema? Es kann passieren, dass Sie sich mit dem gleichen Gegenstand besch\u00e4ftigen, trotzdem aber nicht \u00fcber das gleiche Thema sprechen. Beobachtet ein Kind fasziniert die Kugeln auf der Kugelbahn, wie sie ganz alleine und schnell weiterrollen und in die n\u00e4chste Schiene plumpsen, und Sie sagen: \u201eSchau mal, da kommt die rote Kugel, die ist rot!\u201c, dann spielen sie mit dem gleichen Gegenstand, haben \u00a0aber kein gemeinsames Thema: Sie sprechen \u00fcber die Farbe der Kugel, das Kind interessiert sich aber daf\u00fcr, dass die Kugeln schnell rollen. Sie k\u00f6nnen nat\u00fcrlich versuchen, das Kind f\u00fcr ein anderes Thema oder einen anderen Aspekt des Spiels zu begeistern; wenn es darauf aber nicht eingeht, sollten Sie zu seinem Thema zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Sagen Sie dem Kind nicht, wie die Gegenst\u00e4nde hei\u00dfen, sondern sprechen sie mit dem Kind \u00fcber die Gegenst\u00e4nde. Nicht: \u201eSchau mal, das sind die Gummistiefel. Diese Schuhe hei\u00dfen Gummistiefel.\u201c sondern \u201eOh je, deine Gummistiefel sind aber ganz sch\u00f6n schmutzig.\u201c oder &#8222;Hast Du neue Gummistiefel? Die sind aber sch\u00f6n blau.&#8220; Die Eigenschaften von Gegenst\u00e4nden, Tieren und Menschen sind viel interessanter als allein deren Namen. Am Tiger ist z.B. spannend, dass er scharfe Z\u00e4hne hat, bei\u00dfen und sehr schnell laufen kann. An einer Tasse kann interessant sein, dass sie vielleicht hei\u00df ist, beim Runterfallen zerbrechen kann, schmutzig ist und in die Sp\u00fclmaschine muss, oder dass der geliebte Puh-B\u00e4r darauf abgebildet ist.<br \/>\nWiederholen Sie die Aussage des Kindes. Nicht wie das Kind etwas sagt, ist von Bedeutung, sondern was es sagt. Zeigen Sie, dass Sie das Kind verstanden haben, indem Sie die \u00c4u\u00dferung wiederholen. Kind: \u201eSchau apu!\u201c Erwachsener: \u201eDer Stift ist kaputt? Oh, der ist abgebrochen. Komm, wir holen einen Spitzer.\u201c So f\u00fchlt sich das Kind verstanden und es h\u00f6rt die korrekte Aussprache, Grammatik und Wortwahl ohne, dass es direkt korrigiert wird und das Gef\u00fchl bekommt, dass es etwas falsch gemacht hat.<br \/>\nAchten Sie darauf, die Sprache nicht zu sehr zu vereinfachen. Wenn Sie dem Kind im Sprachniveau nicht immer ein wenig voraus sind, kann es sich nicht weiterentwickeln. Es kann z.B. \u201eGummistiefel\u201c nur lernen, wenn Sie nicht immer nur \u201eSchuhe\u201c sagen oder \u201eausschalten\u201c nur, wenn Sie nicht immer nur \u201eausmachen\u201c sagen.<br \/>\nEs ist wichtig, dass Sie viel mit dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind sprechen. Beachten Sie aber immer die Aufnahmebereitschaft des Kindes. Ist das Kind z.B. gerade m\u00fcde, von zu vielen Reizen \u00fcberfordert, gerade in eine Handlung vertieft? Schon Kinder, die nur wenige Wochen alt sind, zeigen deutlich, ob sie kommunikationsbereit sind oder nicht. Es hat keinen Sinn, das Kind mit Sprache zu \u00fcbersch\u00fctten. Die H\u00f6raufmerksamkeit des Kindes wird dadurch schlechter anstatt besser. Zuh\u00f6ren und selbst Sprechen muss interessant sein und f\u00fcr das Kind sinnvoll.<\/p>\n<h2>Wie kann ich das Kind zum Sprechen, zur aktiven Sprache anregen?<\/h2>\n<p>Locken Sie die Sprache des Kindes, aber fordern Sie diese nicht! Anleitungen wie &#8222;Sie d\u00fcrfen dem Kind nur geben, was es m\u00f6chte, wenn es den Gegenstand auch versucht zu benennen!&#8220; sind nicht hilfreich. Wenn ein Kind nur zeigt und dazu lautiert, f\u00e4llt es ihm noch sehr schwer, sich sprachlich genauer zu \u00e4u\u00dfern. Sprechen, sich mitteilen und verstanden zu werden, ist ein Grundbed\u00fcrfnis jedes Menschen. Wenn ein Kind dazu in der Lage ist, wendet es seine Sprachkompetenz auch an. Sprache erzwingen zu wollen, f\u00fchrt in der Regel zu einem R\u00fcckzug des Kindes oder einem Machtkampf zwischen den Interaktionspartnern: So kann z.B. ein Kind die Aufforderung &#8222;Sag: Bitte ein Eis!&#8220; nicht umsetzen, bekommt nicht, was es will und f\u00e4ngt an zu schreien. Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, wie die Situation sich weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen aber mit einfachen Mitteln im allt\u00e4glichen Miteinander beim Kind Sprache locken, ohne diese zu fordern:<\/p>\n<p>Warten Sie ab, machen Sie Pausen, damit das Kind \u00fcberhaupt Zeit hat, seine Gedanken zu entwickeln und etwas zu sagen. In einem nat\u00fcrlichen Dialog, wechseln sich Sprecher und Zuh\u00f6rer ab. Wenn Sie eine Pause machen, ist das ein Signal an das Kind, dass es jetzt die Rolle des Sprechers \u00fcbernehmen kann. So k\u00f6nnen Sie z.B. nach dem Umbl\u00e4ttern eines Bilderbuches erst einmal abwarten, ob das Kind auf der neuen Seite etwas zeigt oder sprachlich kommentiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche Sprachanl\u00e4sse ergeben sich oft, wenn etwas nicht so, wie erwartet verl\u00e4uft. Verz\u00f6gern Sie z.B. Handlungen die das Kind erwartet, ab und zu kurz. Wenn etwas nicht so verl\u00e4uft, wie das Kind es sich erwartet hat, wird es fragend Blickkontakt aufnehmen und vielleicht auch etwas sagen. Wenn Sie z.B. einen Ball hin und her rollen und kurz abwarten, wenn Sie den Ball haben, wird das Kind aufmerksam und sagt vielleicht &#8222;Mein Ball!&#8220;. Wenn alles, wie erwartet verl\u00e4uft, ist Sprache meistens nicht n\u00f6tig &#8211; es ergeben sich keine nat\u00fcrlichen Sprachanl\u00e4sse. Erfolgt dagegen eine erwartete Handlung nicht, ist eine Person oder ein Gegenstand nicht da und muss gesucht werden, ist etwas kaputt gegangen, ben\u00f6tigt das Kind Hilfe, kann es etwas nicht erreichen, was es haben m\u00f6chte usw., dann ist Kommunikation wirklich notwendig. So darf man nicht erwarten, dass das Kind seine Trinkflasche ohne Anlass benennt. Soll diese aber eingepackt werden und das Kind sieht sich suchend um, ist ein nat\u00fcrlicher Sprachanlass gegeben und es wird vielleicht sagen &#8222;Flasche?&#8220;.<br \/>\nDie ersten eigenen W\u00f6rter sind oft mit starken Emotionen verbunden: Die Mama ist gerade aus dem Blickfeld verschwunden, das Kind ist beunruhigt und ruft \u201eMama!\u201c. Ein Auto ist unter das Sofa gerollt und das Kind kann es alleine nicht herausholen, \u00e4rgert sich und ruft die Oma zur Hilfe: \u201eOma Auto!\u201c. Eine Kiste oder Schachtel ist wider Erwarten leer und das Kind sagt nach dem \u00d6ffnen erstaunt: \u201eleer\u201c oder \u201eweg\u201c. Ein Kind spielt am Lichtschalter und freut sich \u00fcber den Effekt und kommentiert begeistert: \u201eAus!\u201c. Ein B\u00e4r wird mit einem Pflaster verarztet und das Kind erkl\u00e4rt mit ernster Mimik: \u201eB\u00e4r aua\u201c. Das Kind wird ernst darauf hingewiesen, dass die Kerzenflamme hei\u00df ist und das Kind wiederholt beeindruckt: \u201eHei\u00df!\u201c.<br \/>\nStellen Sie Fragen, z.B. beim Bilderbuch ansehen: \u201eWer hat sich denn da versteckt?\u201c oder &#8222;Ich bin gespannt, was der Tiger gleich macht, was glaubst du?\u201c, Vermeiden Sie aber, das Kind abzufragen \u201eWie hei\u00dft der?\u201c, \u201eWas macht der?\u201c. Kinder merken schon sehr fr\u00fch, ob man echte Fragen stellt oder nur pr\u00fcft, ob das Kind eine bestimmte Antwort wei\u00df.<br \/>\nStellen Sie Alternativfragen. Wenn das Kind z.B. auf den Tisch zeigt und \u201e\u00e4\u00e4\u00e4!\u201c \u00a0oder \u201etrinken\u201c sagt, k\u00f6nnen Sie fragen: \u201eWas m\u00f6chtest Du trinken? Tee oder Saft?\u201c. Auch wenn Sie schon wissen, was das Kind in der Regel haben m\u00f6chte, ist das eine gute Gelegenheit, dem Kind die passenden W\u00f6rter anzubieten (\u201etrinken, Tee, Saft &#8230;\u201c). So hat es diese erneut geh\u00f6rt und wird sie sicher auch bald selbst benutzen. Auch wenn das Kind noch nicht gezielt antwortet, erneut zeigt oder nur mit \u201eja\u201c reagiert, ist es schon sinnvoll, durch die Alternativfrage ein Modell f\u00fcr eine m\u00f6gliche Antwort zu geben. Da dieses Modell in der ersten Phase des Spracherwerbs eine Hilfe ist, die Antwort aber auch inhaltlich vorgibt und dadurch einschr\u00e4nkt, ist es wichtig die Alternativfragen sp\u00e4ter auch wieder zu reduzieren.<br \/>\nIst das Kind schon weiter, dann stellen Sie offene Fragen: \u201eWas m\u00f6chtest Du trinken?\u201c. Nach einem Zoobesuch ist die Frage \u201eWelche Tiere hast Du gesehen\u201c deutlich begrenzender als die Frage \u201eWelches Tier hat Dir am besten gefallen?\u201c. Bei der ersten Frage ergibt sich eher eine Aufz\u00e4hlung, bei der zweiten eher ein Gespr\u00e4ch und das Kind teilt mir etwas mit, was ich wirklich noch nicht wei\u00df und was mich interessiert.<br \/>\nKommentieren Sie eigene Handlungen und Handlungen des Kindes. Wenn Sie z.B. gemeinsam im Sandkasten sind: &#8222;Du gr\u00e4bst aber ein tiefes Loch. Da musst Du ganz sch\u00f6n viel schaufeln. Ich geh mal kurz zur Lisa Sandkuchen kaufen.&#8220; Wenn das Kind im Bilderbuch auf ein Kind zeigt, das in eine Pf\u00fctze springt: &#8222;Die hat aber Spa\u00df! Platsch, Platsch! Ich glaube die Hose von dem M\u00e4dchen wird ganz sch\u00f6n nass. Springst Du auch gerne in Pf\u00fctzen?&#8220; So h\u00f6rt das Kind in der Situation die passenden W\u00f6rter und S\u00e4tze und wird zu eigenen \u00c4u\u00dferungen angeregt.<br \/>\nVerwenden Sie im Spiel und beim Bilderbuch ansehen oder Geschichten erz\u00e4hlen die direkte Rede. Dabei bieten Sie mit verstellter Stimme neue H\u00f6rerfahrungen. Die Maus spricht vielleicht mit hoher Stimme und schnell, der B\u00e4r mit tiefer Stimme und langsam. Diese Beitr\u00e4ge machen das Spiel und das Bilderbuch-Ansehen lebendig und regen das Kind zur spontanen Nachahmung an. So sagt die Maus im Bilderbuch z.B. zu ihren 14 M\u00e4usekindern &#8222;Gute Nacht, Schlaft gut!&#8220; oder der B\u00e4r warnt ein anderes Tier und sagt &#8222;Pass auf!&#8220;. Auch Tierstimmen, wie &#8222;muh, wau-wau&#8220; usw. sind direkte Rede und regen zum Imitieren an. Sie sollten letztere aber nicht zu sehr \u00fcberbetonen.<br \/>\nLieder, Verse, Fingerspiele und Singspiele sind eine gute M\u00f6glichkeit, Sprache zu f\u00f6rdern. Es ist auf nat\u00fcrliche Weise die Wiederholung enthalten. Kleinkinder lieben die Wiederholung von Bekanntem. Der Wortschatz wird erweitert, das Sprachgef\u00fchl gef\u00f6rdert, z.B. durch Reime; das Ged\u00e4chtnis f\u00fcr Sprache, Melodien und Bewegungsabl\u00e4ufe wird angeregt und vieles mehr. Besonders Verse und Lieder mit Schlusseffekten sind bei Babys und Kleinkindern beliebt. Sie warten dann sehr aufmerksam und gespannt auf den Schluss und sind dabei auch sehr h\u00f6raufmerksam bis das Stichwort kommt: \u201eMacht der Reiter \u2013 plumps!\u201c, \u201eEngelchen, Engelchen &#8211; flieg!\u201c<br \/>\nWenn das Kind noch wenig spricht, k\u00f6nnen Sie Sprache auch locken, indem Sie das Kind einen Vers, eine Liedzeile oder einen Satz erg\u00e4nzen lassen: \u201e Alle V\u00f6glein sind schon\u201c &#8211; \u201eda\u201c, \u201eWei\u00dft Du noch wer morgen kommt? Morgen kommt der?\u201c &#8211; \u201eNikolaus\u201c, \u201eErz\u00e4hl dem Papa, was war heute bei uns im Garten? Ein ganz kleines?\u201c &#8211; \u201eKatzenbaby\u201c. &#8222;Was brauchen wir zum Tisch decken? L\u00f6ffel, Teller und?&#8220; &#8211; &#8222;Becher.&#8220;<br \/>\nBegriffe entwickeln sich durch Begreifen. H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder lernen nicht mit Bildkarten Wortbedeutungen. Auch der aktive (gesprochene Wortschatz) entwickelt sich zu Beginn nicht durch Bilder sondern in konkreten Alltags- und Spielsituationen. Kinder lernen durch immer neue Erfahrungen im Alltag und Spiel, durch Begreifen, Tasten, Festhalten, Sehen, Klettern, Laufen, H\u00fcpfen usw. und durch die Sprache, die sie dazu h\u00f6ren. Geben Sie dem Kind viele M\u00f6glichkeiten, sich zu bewegen, und viele Erfahrungen mit seiner Umgebung zu machen. Ein Baustellenbuch ersetzt nicht die Erfahrungen, die das Kind mit allen Sinnen macht, wenn Sie einmal die Arbeiten auf einer Baustelle gemeinsam beobachten und das Kind im Sandkasten mit anderen Kindern Baustelle spielt. B\u00fccher sind zu Beginn eine wertvolle Erg\u00e4nzung zu konkret erlebten Situationen; sp\u00e4ter erfahren Kinder dann aus B\u00fcchern nat\u00fcrlich auch neue Inhalte.<br \/>\nAuch wenn das Kind gute Fortschritte im H\u00f6ren und in der Sprachentwicklung macht, darf nicht vergessen werden, dass das H\u00f6ren und damit der ganze Alltag f\u00fcr das Kind anstrengender ist als f\u00fcr ein normal h\u00f6rendes Kind. Sie werden es daher immer wieder erleben, dass das Kind nicht auf Ansprache reagiert. Haben Sie Geduld, warten Sie zun\u00e4chst ab und wiederholen Sie dann freundlich, was Sie gesagt haben. Wenn das Kind daraufhin noch nicht reagiert kann auch eine Umformulierung hilfreich sein: Sie sagen z.B. \u201eKim, m\u00f6chtest Du mir Tisch decken helfen?\u201c Wenn das Kind auch nach der Wiederholung nicht reagiert, k\u00f6nnten Sie z.B. sagen: \u201eM\u00f6chtest Du die Teller und L\u00f6ffel holen und zum Tisch bringen?\u201c Schimpfen Sie das Kind nicht, wenn es nicht zuh\u00f6rt oder reagiert. H\u00f6ren muss f\u00fcr das Kind etwas Positives und Lohnendes sein. Es gibt immer wieder Tage oder Phasen, in denen die H\u00f6raufmerksamkeit schlechter oder besser ist und es kann viele Ursachen haben, warum ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind mal nicht reagiert (nat\u00fcrlich muss sicher gestellt sein, dass die H\u00f6rger\u00e4te und Cochlea-Implantate funktionieren): Es ist in eine Handlung vertieft, es ist m\u00fcde, es ist gedanklich abgelenkt, es versteht den Inhalt Ihrer W\u00f6rter noch nicht, es ist gerade laut in der Umgebung, oder es hat einfach gerade keine Lust zuzuh\u00f6ren, wie jedes normal h\u00f6rende Kind auch. Au\u00dferdem h\u00f6ren Kinder, die mit H\u00f6rger\u00e4ten versorgt sind, bei Erk\u00e4ltungen oft zeitweise schlechter, da zu der Innenohrh\u00f6rst\u00f6rung noch ein Mittelohrproblem (Schalleitungsschwerh\u00f6rigkeit) dazukommt.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich auf das h\u00f6rgesch\u00e4digte Kind einlassen, sich und dem Kind Zeit geben, sich gegenseitig kennen zulernen und versuchen mit ihm ins Gespr\u00e4ch zu kommen, auch wenn es sich noch am Anfang seiner H\u00f6r- und Sprachentwicklung befindet, werden Sie erleben, dass die Interaktion auch mit diesem Kind erfolgreich verlaufen kann.<\/p>\n<h2>Kontrollfragen:<\/h2>\n<p>Ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind kann mich besser verstehen, wenn ich<\/p>\n<p>a) lauter spreche<\/p>\n<p>b) sehr deutliche Mundbewegungen beim Sprechen mache<\/p>\n<p>c) mit ausgepr\u00e4gter Prosodie spreche<\/p>\n<p>d) m\u00f6glichst ganz kurze \u00c4u\u00dferungen verwende<\/p>\n<p>L\u00f6sung: c)<\/p>\n<p>F\u00fcr den Erwerb von Sprachverst\u00e4ndnis ist wichtig:<\/p>\n<p>a) Verwenden Sie verst\u00e4rkt Substantive und sp\u00e4ter erst andere Wortarten, weil das Kind sich besonders daf\u00fcr interessiert, wie Gegenst\u00e4nde, Personen und Tiere hei\u00dfen.<\/p>\n<p>b) Wiederholen und erweitern Sie Aussagen des Kindes.<\/p>\n<p>c) Bieten Sie dem Kind viele Bildkarten an, da es so die W\u00f6rter mit der Wortbedeutung verbinden lernt.<\/p>\n<p>d) Sprechen sie immer sehr viel mit dem Kind, auch wenn es manchmal so erscheint, dass das Kind nicht zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p>L\u00f6sung b)<\/p>\n<p>Ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind kann zum Sprechen angeregt werden, wenn<\/p>\n<p>a) Sie zu Beginn der aktiven Sprachentwicklung Alternativfragen stellen.<\/p>\n<p>b) Sie am Bilderbuch oder mit Bildkarten die W\u00f6rter, die es schon sprechen kann, durch die Frage &#8222;Was ist das?&#8220; oder &#8222;Wie hei\u00dft das?&#8220; abfragen und damit festigen.<\/p>\n<p>c) Sie auf Gesten und Lautieren des Kindes nicht reagieren und das Kind auffordern zu sagen, was es m\u00f6chte.<\/p>\n<p>d) Wenn Sie dem Kind W\u00f6rter vorsprechen und es zum Sprechen auffordern: &#8222;Sag mal Auto!&#8220;<\/p>\n<p>L\u00f6sung a)<\/p>\n<p>Wenn ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind auf Ansprache nicht sofort reagiert<\/p>\n<p>a) spreche ich es sp\u00e4ter noch mal an.<\/p>\n<p>b) sage ich: &#8222;(Name des Kindes) schau mich an!&#8220; und wiederhole die Aussage deutlich lauter.<\/p>\n<p>c) warte ich zun\u00e4chst ab und wiederhole die Aussage, evtl. auch mit einer Umformulierung.<\/p>\n<p>d) wiederhole ich mehrfach denselben Satz.<\/p>\n<p>L\u00f6sung c)<\/p>\n<h1>Kapitel 2-Wie kann ich das Kind in seiner H\u00f6rentwicklung unterst\u00fctzen?<\/h1>\n<h2>Lernziel<\/h2>\n<p>Im ersten Teil dieses Kapitels erfahren Sie, wie Sie das Kind bei der Eingew\u00f6hnung an die H\u00f6rger\u00e4te oder Cochlea-Implantate unterst\u00fctzen k\u00f6nnen und wie sie z.B. reagieren sollen, wenn das Kind die Ger\u00e4te zwischendurch abnimmt. Im Hauptteil dieses Kapitels erfahren Sie, wie Sie die H\u00f6rentwicklung des Kindes unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt z.B. die Frage: Welchen Stellenwert haben Ger\u00e4uschespielzeuge und Musikinstrumente im Vergleich zu Alltagsger\u00e4uschen?<\/p>\n<h2>Wie gelingt die H\u00f6rger\u00e4te- und CI-Eingew\u00f6hnung am besten?<\/h2>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr eine gute H\u00f6rentwicklung ist das ganzt\u00e4gige Tragen passender und fehlerfrei arbeitender H\u00f6rger\u00e4te oder Cochlea-Implantate. Nur so ist ein h\u00f6rgerichteter Spracherwerb im Alltag m\u00f6glich. (siehe auch Modul 3)<\/p>\n<p>Nach der ersten Anpassung von H\u00f6rger\u00e4ten oder CI ist die Erwartung an die technischen H\u00f6rhilfen meist sehr gro\u00df. Man hofft auf die ersten oder auf bessere H\u00f6rreaktionen und darauf, dass das Kind die Ger\u00e4te gerne tr\u00e4gt. Viele Kinder akzeptieren die Ger\u00e4te spontan \u00fcber viele Stunden am Tag, andere ben\u00f6tigen 2 Wochen oder auch 2-3 Monate, bis sie die Ger\u00e4te kontinuierlich tragen. Kinder, die von H\u00f6rger\u00e4ten nicht ausreichend profitieren, weil ihre H\u00f6rreste zu gering sind, akzeptieren die H\u00f6rger\u00e4te manchmal gar nicht. Diese Kinder erhalten nach einer Erprobungsphase mit H\u00f6rger\u00e4ten dann in der Regel Cochlea-Implantate. Grunds\u00e4tzlich ist zu beachten: Wenn ein Kind seine H\u00f6rger\u00e4te oder Cochlea-Implantate nicht gerne tr\u00e4gt oder pl\u00f6tzlich abnimmt, muss zun\u00e4chst immer abgekl\u00e4rt werden, ob dies technische oder medizinische Ursachen hat: Sind die Batterien oder Akkus leer? Sind die Ger\u00e4te zu laut oder zu leise eingestellt, sind sie defekt, vertr\u00e4gt das Kind den Kunststoff der Ohrpassst\u00fccke nicht? H\u00f6rger\u00e4teakustiker oder P\u00e4daudiologen k\u00f6nnen feststellen was die Ursache ist, wenn es Akzeptanzprobleme gibt.<\/p>\n<p>Manchen Kindern ist es angenehmer, wenn unmittelbar nach der H\u00f6rpause durch den Nacht- oder Mittagschlaf, zun\u00e4chst ein leiseres Programm und nach etwas 15-30 Minuten erst die normale Einstellung angeboten wird. Dies werden die Eltern mit Ihnen besprechen.<\/p>\n<p>S\u00e4uglinge erkunden gerne die neuen Teile, die man aus den Ohren ziehen, ansehen und in den Mund stecken kann. Die weichen Ohrpassst\u00fccke lassen sich gut als &#8222;Kauspielzeug&#8220; verwenden. Schon Babys merken schnell, dass Erwachsene sich ihnen sofort zuwenden, wenn die Ger\u00e4te pfeifend in ihren H\u00e4ndchen sind oder auf dem Teppich landen. Auch etwas \u00e4ltere Kinder, die z.B. mit 20 Monaten ihre ersten H\u00f6rger\u00e4te bekommen, verstehen diesen Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und den Reaktionen der Erwachsenen sehr schnell. Oft gen\u00fcgt es nur die Hand in Richtung Ohr zu bewegen und schon kommt jemand und schenkt dem Kind Aufmerksamkeit. Achten Sie bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern immer darauf, dass die Ger\u00e4te durch eine Kindersicherung an der Kleidung befestigt sind. So k\u00f6nnen Sie gelassener reagieren, wenn die Ger\u00e4te nicht mehr am Ohr sind: Sie h\u00e4ngen dann an der Kleidung, k\u00f6nnen nicht besch\u00e4digt werden, weil sie nicht im Sandkasten oder auf dem Fliesenboden landen und sie k\u00f6nnen nicht verloren gehen. Wenn Sie die Ger\u00e4te nicht sofort, sondern erst nach einigen Minuten wieder einsetzen, erkennt das Kind den Zusammenhang nicht mehr: \u201eIch hole meine H\u00f6rger\u00e4te raus, es kommt jemand und besch\u00e4ftigt sich mit mir&#8220;. Im Einzelfall kann jedoch auch ein ganz konsequentes sofortiges Wiedereinsetzen zum Erfolg f\u00fchren. Zeigen Sie dem Kind die Ger\u00e4te vor dem Einsetzen, so dass es wei\u00df, welche Handlung gleich folgen wird. Damit Sie sicher wissen, welches Ger\u00e4t auf welches Ohr kommt, sind verschiedene Farben oder Aufkleber auf den Ger\u00e4ten f\u00fcr rechts und links hilfreich.<\/p>\n<h2>Wie lernt das Kind Ger\u00e4usche kennen und einordnen?<\/h2>\n<p>Wir h\u00f6ren im Alltag Sprache, Ger\u00e4usche und Musik. Das wichtigste \u201eInstrument\u201c f\u00fcr das H\u00f6ren lernen ist die Stimme von Mama, Papa, anderen Familienmitgliedern und anderen engen Bezugspersonen, wie der Tagesmutter oder der Erzieherin in der Krippe und im Kindergarten. Denken Sie immer daran: H\u00f6ren muss sinnvoll sein. Achten Sie daher auch darauf, dass es einen Grund gibt, dass z.B. eine Handlung folgt, wenn Sie den Namen des Kindes rufen. Beginnen Kinder gerade damit, auf ihren Namen zu reagieren, verleitet das dazu, dies immer wieder auszuprobieren. Erfolgt daraufhin aber nichts, wird das Kind in K\u00fcrze sich nicht mehr suchend umsehen, wenn es seinen Namen h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Neben der Sprache sollen Kinder nat\u00fcrlich auch Ger\u00e4usche und deren Ursache kennen lernen. Es macht aber wenig Sinn, dem Kind am Anfang zum H\u00f6ren lernen in erster Linie Musikinstrumente oder Ger\u00e4uschespielzeuge zu geben. Horsch (2007) schreibt dazu: \u201eDas in vielen Videoaufzeichnungen zu beobachtende Anbieten von einem Spielzeug nach dem anderen, das Ger\u00e4usche erzeugt, vermag nicht wirklich die Aufmerksamkeit des Kindes zu fesseln, der H\u00f6reindruck ist oftmals nur ein Stimulus, auf den das Kind kurz reagiert, der ihn jedoch nicht weiter interessiert. Es f\u00fchrt zu keinem echten Austausch zwischen Mutter und Kind, die Situationen wirken oft hektisch, weil mit den Spielsachen h\u00e4ufig auch die Formate gewechselt werden. Dadurch zerf\u00e4llt die Situation, die Chance, Sinn erf\u00fcllt h\u00f6ren zu lernen, ist vertan\u201c. Sehr viel sinnvoller ist es dagegen, das Kind auf Ger\u00e4usche im Alltag aufmerksam zu machen und diese gemeinsam zu erkunden, wie etwa den laufenden Wasserhahn, den Staubsauger, die T\u00fcrklingel, die Schritte auf einem Kiesweg usw. Sie k\u00f6nnen dazu z.B. eine Horchgeste verwenden, wie z.B. mit dem Zeigefinger auf Ihr Ohr zeigen und sagen &#8222;H\u00f6r mal!&#8220; Im Alltag geben uns Ger\u00e4usche wichtige Informationen. Den Inhalt dieser Informationen lernen Kinder am besten, wenn sie diese selbst erzeugen d\u00fcrfen. Gie\u00dfen Sie z.B. zusammen Blumen und f\u00fcllen eine kleine Gie\u00dfkanne: Das Kind h\u00f6rt bewusst, wie es klingt, wenn es den Wasserhahn aufdreht und wie sich das Ger\u00e4usch ver\u00e4ndert, wenn die Kanne voller wird. Es macht viele Erfahrungen und h\u00f6rt die passenden sprachlichen Kommentare dazu, wie z.B.: Die Kanne ist erst leicht und leer, dann voll und schwer, man muss sie vorsichtig tragen, langsam gehen, etwas Wasser schwappt heraus, der Blumentopf steht oben auf dem Fensterbrett, die Erde ist schon ganz trocken, man darf nicht zuviel Wasser hinein gie\u00dfen &#8230; und das Kind wird gelobt, wie gut es das schon alleine kann!<\/p>\n<p>Machen Sie das Kind auch darauf aufmerksam, wenn es an die T\u00fcr klopft oder l\u00e4utet: \u201eDing Dong, es l\u00e4utet, wer kommt denn da? Komm, wir sehen mal nach.\u201c Wenn Sie das Kind dann mit zur T\u00fcre nehmen, lernt es, dass jetzt die T\u00fcr aufgemacht wird und jemand vor der T\u00fcr steht, weil ein Kind sp\u00e4ter gebracht oder ein Paket abgeben wird. Sie k\u00f6nnen auch mal ein \u201eT\u00fcr auf -T\u00fcr zu &#8211; Spiel\u201c machen. Ein Erwachsener l\u00e4utet oder klopft, der andere macht mit dem Kind auf, und danach werden die Rollen getauscht.<\/p>\n<p>Spielt ein 8 Monate altes Kind mit einem L\u00f6ffel, den es auf den Tisch klopft oder auf andere Besteckteile, lernt es, wie Besteckklappern klingt. Wenn es schon etwas \u00e4lter ist und mithilft den Tisch zu decken oder abzusp\u00fclen, lernt es so die typischen K\u00fcchenger\u00e4usche kennen. H\u00f6rt es sp\u00e4ter dese Ger\u00e4usche, auch wenn es gerade im Nebenraum spielt, kann es diese richtig einordnen und ist nicht irritiert.<\/p>\n<p>Sch\u00fctteln Sie gemeinsam Packungen und Spieleschachteln, um zu h\u00f6ren, ob etwas drin ist. Dies ist zu Beginn wesentlich wichtiger als spezielle Spielzeug-Ger\u00e4uschedosen anzubieten, die mit Reis oder Steinen gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Legen sie gemeinsam beim Aufr\u00e4umen die Bausteine in die Bausteinkiste, die Holzeisenbahnschienen in die Eisenbahnkiste, und die Autos in die Autokiste. Das Kind lernt dabei u. a., dass Legosteine andere Ger\u00e4usche machen als Holzbausteine, dass die Holzschienen anders klingen, wenn sie in eine leere Kiste fallen als in eine schon halb gef\u00fcllte. Ganz nebenbei sind bei allen Aufr\u00e4umaktionen Oberbegriffe (Autos, Sandspielzeug, Besteck &#8230;) und viel sprachliche Wiederholung enthalten, wenn Sie sich dabei unterhalten: \u201eDa ist noch eine Schiene, hol bitte die Schiene unter dem Regal vor.\u201c Noch ein Tipp zur L\u00e4rmreduzierung im Gruppenraum: Legen Sie unten in die Spielzeugkisten einen Teppichbodenrest. So ist das F\u00fcllen der Kisten nicht so laut. (zur Verbesserung der Raumakustik siehe auch Modul 2 und 10)<\/p>\n<p>Auch drau\u00dfen begegnet das Kind Ger\u00e4uschen, wenn es Steinchen auf die Rutschbahn wirft, wenn es im Herbst in einen Bl\u00e4tterhaufen springt, wenn am Dreirad eine Klingel ist oder wenn Autos vorbeifahren.<\/p>\n<p>Ein weiterer Tipp zum Abschluss: In einem Raum, in dem gerade viel durcheinander gesprochen wird, wie z.B. in der Freispielzeit, ist es schwieriger die Stimme der Erzieherin zu h\u00f6ren als ein Ger\u00e4usch. Verwenden Sie daher ein \u201eVer\u00e4nderungssignal\u201c, wie z.B. ein Gl\u00f6ckchen, einen Klangstab<\/p>\n<p>o. \u00e4. Das kann auch das h\u00f6rgesch\u00e4digte Kind viel leichter aus dem Stimmengewirr heraush\u00f6ren, aufmerksam werden und dann auf die Worte der Erzieherin h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die aufgef\u00fchrten Beispiele zeigen deutlich, wie vielseitig und intensiv die H\u00f6r- und Spracherfahrungen in den vielen, ganz allt\u00e4glichen Situationen und mit ganz normalen Spielzeugen sind. Dies bezieht sich besonders auf den Beginn, wenn das Kind die Welt der Ger\u00e4usche um sich herum entdecken lernt. Sie m\u00fcssen also keine speziellen Ger\u00e4uschespielzeuge anschaffen, deren Tasten k\u00fcnstliche Tierstimmen und \u00c4hnliches erzeugen. Ein gesprochenes \u201emuh\u201c am Bilderbuch oder im Spiel mit Tieren ist ungleich wertvoller. Selbstverst\u00e4ndlich ist es aber eine Bereicherung, wenn das Kind Erfahrungen mit Liedern Versen, Rhythmik und einfachen Musikinstrumenten macht.<\/p>\n<h2>Kontrollfragen:<\/h2>\n<p>Wenn ein Kind seine H\u00f6rger\u00e4te immer wieder abnimmt<\/p>\n<p>a) wende ich mich dem Kind immer liebevoll zu, nehme es auf den Scho\u00df und setze sie sofort wieder ein<\/p>\n<p>b) muss zun\u00e4chst immer abgekl\u00e4rt werden, ob es technische oder medizinische Ursachen daf\u00fcr gibt<\/p>\n<p>c) stelle ich die Lautst\u00e4rke geringer ein oder w\u00e4hle ein leiseres Programm<\/p>\n<p>d) schimpfe ich das Kind<\/p>\n<p>L\u00f6sung b)<\/p>\n<p>F\u00fcr die H\u00f6rentwicklung sind zu Beginn bei Kleinkindern besonders wichtig:<\/p>\n<p>a) Die Stimmen der Bezugspersonen im Dialog und alltagsrelevante Ger\u00e4usche<\/p>\n<p>b) Ger\u00e4uschespielzeuge mit Tasten, weil das Kind damit selbst Ger\u00e4usche ausl\u00f6sen kann<\/p>\n<p>c) Laute und deutliche Ansprache<\/p>\n<p>d) Laute Ger\u00e4usche, wie z.B. trommeln, weil diese das Kind leicht h\u00f6ren kann<\/p>\n<p>L\u00f6sung a)<\/p>\n<p>Die Ursache und damit den Inhalt von Ger\u00e4uschen lernt das h\u00f6rgesch\u00e4digte Kleinkind am besten<\/p>\n<p>a) mit einer CD mit Ger\u00e4uschen und passenden Bildkarten<\/p>\n<p>b) wenn f\u00fcr das Kind verschiedene Ger\u00e4usche erzeugt werden<\/p>\n<p>c) wenn das Kind speziell auf laute Ger\u00e4usche aufmerksam gemacht wird<\/p>\n<p>d) wenn das Kind Ger\u00e4usche selbst erzeugen und diese explorieren kann<\/p>\n<p>L\u00f6sung d)<\/p>\n<h1>Kapitel 3-Fr\u00fchf\u00f6rderung h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder &#8211; ein Fachgebiet vor neuen Herausforderungen<\/h1>\n<h2>Lernziel<\/h2>\n<p>In der Regel werden Sie von einer Fachkraft f\u00fcr h\u00f6rgesch\u00e4digte S\u00e4uglinge und Kleinkinder Unterst\u00fctzung bekommen.<\/p>\n<p>In diesem Kapitel erfahren Sie wesentliche Aspekte, die das Fachgebiet der Fr\u00fchf\u00f6rderung h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder heute zu einer neuen Herausforderung machen. Der Begriff \u201eFr\u00fchf\u00f6rderung\u201c umfasst in erster Linie die Beratung und Begleitung der Familien mit ihren h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern sowie die Arbeit mit den Kindern in speziellen Gruppen f\u00fcr H\u00f6rgesch\u00e4digte vom S\u00e4uglingsalter bis zur Einschulung. Ein weiterer Bereich, dessen Bedeutung immer mehr zunimmt und dem dieses Lernprogramm gewidmet ist, sind die Beratung und Begleitung weiterer Bezugspersonen, welche die Kinder integrativ z.B. als Tagesm\u00fctter oder Krippenerzieherinnen betreuen. (siehe auch Modul 4 und 10)<\/p>\n<h2>Die Kinder werden immer j\u00fcnger<\/h2>\n<p>Eine m\u00f6glichst fr\u00fche Diagnose der H\u00f6rsch\u00e4digung ist f\u00fcr die gesamte Entwicklung des Kindes entscheidend. Die Entwicklungen der letzen 15 Jahren f\u00fchren schrittweise zu einer fl\u00e4chendeckenden Anwendung einer H\u00f6rpr\u00fcfung unmittelbar nach der Geburt. Das hat zur Folge, dass auch die P\u00e4dagogen und Therapeuten mit immer j\u00fcngeren Kindern arbeiten. Konkret hei\u00dft das, dass schwerh\u00f6rige und geh\u00f6rlose Kinder, die nach der Geburt diagnostiziert wurden, mit etwa 8 Wochen ihre ersten H\u00f6rger\u00e4te erhalten und damit auch die Fr\u00fchf\u00f6rderung beginnt.<\/p>\n<p>Damit sind die Fachleute zunehmend gefordert, detailliertes Wissen zu Bereichen der fr\u00fchkindlichen Kommunikationsentwicklung, Bindungsentwicklung, H\u00f6r- und Sprachentwicklung sowie der Spiel- und Gesamtentwicklung zu erwerben.<\/p>\n<p>Auch bei Kindern im ersten Lebensjahr treffen wir auf unterschiedlichste Kinder und ihre Familien, die entsprechend individuell betreut werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Diagnosestellung gibt es folgende M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p>Die Diagnose kommt v\u00f6llig \u00fcberraschend durch ein Neugeborenen-H\u00f6rscreening<\/p>\n<p>In der Familie gibt es bereits ein h\u00f6rgesch\u00e4digtes Kind und das Neugeborene ist auch schwerh\u00f6rig oder geh\u00f6rlos<br \/>\nVater, Mutter oder beide Eltern sind h\u00f6rgesch\u00e4digt und ihr S\u00e4ugling hat dieselbe Diagnose<br \/>\nDie Diagnose erfolgt nach einer Erkrankung im ersten Lebensjahr (z. B. Meningitis = Gehirnhautentz\u00fcndung)<br \/>\nDie Diagnose erfolgt nach der Gabe von ototoxischen (= Geh\u00f6r sch\u00e4digenden) Medikamenten<br \/>\nFr\u00fchgeborene unter 1500 Gramm haben ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr eine H\u00f6rsch\u00e4digung<br \/>\nMehrfachbehinderte Kinder k\u00f6nnen z.B. Syndromerkrankungen mit einer H\u00f6rst\u00f6rung haben<br \/>\nKinder mit sichtbaren Ohr-Missbildungen, die gleich nach der Geburt auffallen<br \/>\nKinder, deren Eltern den Verdacht auf eine H\u00f6rsch\u00e4digung haben und im Laufe des ersten Lebensjahres die Best\u00e4tigung daf\u00fcr bekommen<br \/>\nAuch innerhalb der einzelnen Gruppen treffen wir unterschiedlichste Situationen an: Ist z.B. ein Geschwisterkind h\u00f6rgesch\u00e4digt, ist es f\u00fcr viele normal h\u00f6rende Eltern (90 % aller Eltern h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder sind normal h\u00f6rend) unbegreiflich, dass \u201edas Schicksal noch einmal zuschl\u00e4gt\u201c &#8211; durch die Geburt eines weiteren h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindes &#8211; , andere dagegen haben sich bereits darauf eingestellt, dass ein weiteres Kind betroffen sein k\u00f6nnte. Schwerh\u00f6rige oder geh\u00f6rlose Eltern nehmen die Diagnose ebenfalls individuell ganz unterschiedlich auf. Dies h\u00e4ngt nicht zuletzt davon ab, wie gut es ihnen selbst gelingt, die eigene H\u00f6rsch\u00e4digung in ihr Leben zu integrieren. Eltern von h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern mit Missbildungen an den Ohrmuscheln sind unmittelbar nach der Geburt mit dem Problem konfrontiert und es bleibt oft \u00fcber Monate die Angst, ob das Kind nicht auch weitere Organmissbildungen oder Entwicklungsprobleme hat. Es gibt Familien, die \u00fcber ein stabiles soziales Netz verf\u00fcgen, und es gibt M\u00fctter oder V\u00e4ter, die mit der Diagnose und dem Alltag weitgehend alleine zurechtkommen m\u00fcssen. Dies sind nur wenige Beispiele.<\/p>\n<p>Wie heterogen die Gruppe der Fr\u00fchf\u00f6rderkinder und ihrer Familien auch sein mag, wie unterschiedlich Familien mit der fr\u00fchen Diagnose \u201eH\u00f6rsch\u00e4digung\u201c auch umgehen, die Anfangszeit mit einem Baby ist immer eine Ausnahmezeit. Die Fr\u00fchf\u00f6rderin kommt als fremde Person in die Familie in einer sehr sensiblen Phase, in der alles anders ist. Die Familie muss das Neugeborene erst kennen lernen, in das Familienleben integrieren und der neue Alltag muss sich erst einspielen. Emotional ist das f\u00fcr alle eine intensive Zeit und dann kommt auch noch die Diagnose &#8222;H\u00f6rsch\u00e4digung&#8220; dazu: \u201eDie Eltern befinden sich in einem Gef\u00fchlswirrwarr, bestehend aus Schuld- und Pflichtgef\u00fchlen, Angst und Trauer, Unsicherheit und Gl\u00fcck.\u201c( P\u00f6llmacher\/ Holthaus 2005). Die Arbeit mit h\u00f6rgesch\u00e4digten S\u00e4uglingen bedarf daher neben dem Fachwissen zur Entwicklung im ersten Lebensjahr ein hohes Ma\u00df an Beratungskompetenz und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in die jeweilige Situation jeder einzelnen Familie.<\/p>\n<h2>Die technische Entwicklung<\/h2>\n<p>Immer schneller kommen neue Produkte und Verfahren im Bereich der H\u00f6rdiagnostik, der H\u00f6rger\u00e4te, Cochlea-Implantate, Zusatzger\u00e4te (z.B. FM-Anlagen) und Ger\u00e4te zur \u00dcberpr\u00fcfung und Einstellung der H\u00f6rhilfen auf den Markt. Die Fr\u00fchf\u00f6rderin muss nicht jedes technische Detail kennen, muss aber mit der Entwicklung der Technik soweit Schritt halten, dass sie z.B. mit den Eltern Beratungspunkte, die beim Arzt, beim H\u00f6rger\u00e4teakustiker oder im CI-Zentrum besprochen wurden, gemeinsam reflektieren kann. Au\u00dferdem muss sie \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob die Ger\u00e4te funktionsf\u00e4hig sind und die Eltern oder andere Bezugspersonen zur t\u00e4glichen \u00dcberpr\u00fcfung und Wartung beraten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Die ver\u00e4nderte Rolle der Fr\u00fchf\u00f6rderin in der Elternberatung und -begleitung<\/h2>\n<p>In den letzten Jahren haben sich die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr h\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder durch die Weiterentwicklung der Diagnostik und technischen Versorgung enorm verbessert. In der Fr\u00fchf\u00f6rderung, die entscheidend f\u00fcr eine langfristig erfolgreiche Entwicklung der Kinder ist, muss man sich dieser Ver\u00e4nderungen bewusst sein. Es ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr alle Fachkr\u00e4fte der Fr\u00fchf\u00f6rderung, ihre Rolle in der Arbeit mit dem Kind und seiner Familie entsprechend zu gestalten. Die Rolle, in der die Fr\u00fchf\u00f6rderin in erster Linie als Modell fungiert, ist auf jeden Fall sehr kritisch zu sehen. Morag Clark beschreibt dieses Problem in ihrem aktuellen Buch zum Nat\u00fcrlichen H\u00f6rgerichteten Ansatz folgenderma\u00dfen: \u201eBeobachtungen in F\u00f6rderprogrammen weltweit zeigen, dass das Handeln von Fachleuten zu selten zur Elternkompetenz f\u00fchrt. Dieses Problem scheint durch das Rollenverst\u00e4ndnis zu entstehen, das viele Fachleute in der Beratung und Begleitung der Eltern haben. Viele kommen mit allgemein festgelegten Zielen in die Stunde, anstatt mit dem Anliegen die Beobachtung der Eltern in den Mittelpunkt zu stellen und daraus die Bed\u00fcrfnisse abzuleiten, die die individuelle Eltern-Kind-Beziehung in diesem spezifischen Sprachentwicklungsstadium erfordert.&#8220;<\/p>\n<p>Das Hauptziel der Fr\u00fchf\u00f6rderung in der Familie muss die St\u00e4rkung der Eltern in ihren ganz eigenen elterlichen Kompetenzen sein. Gelingt es in den Fr\u00fchf\u00f6rderstunden den Eltern nach der Verunsicherung durch die Diagnose wieder Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit ihrem Kind zu vermitteln, dann sind die besten Grundlagen f\u00fcr einen h\u00f6rgerichteten Spracherwerb im Alltag geschaffen. Diese Sicherheit kann Eltern aber nicht vermittelt werden indem die Fr\u00fchf\u00f6rderin mit dem Kind spricht und spielt und die Eltern oder andere Bezugspersonen ausschlie\u00dflich zusehen. Schnell kann dadurch sogar die Unsicherheit verst\u00e4rkt werden, wenn die Eltern den Eindruck bekommen: &#8222;So wie die Fr\u00fchf\u00f6rderin mit meinem Kind umgeht, so schaffe ich das nie!&#8220; Die Fr\u00fchf\u00f6rderin muss daher in der Lage sein sich selbst zur\u00fcckzunehmen, um die Eltern in der Interaktion mit ihrem Kind beobachten zu k\u00f6nnen. Dies bezieht sich nicht nur auf Spielsituationen oder das gemeinsame Betrachten von Bilderb\u00fcchern, sondern auch stark auf gemeinsame Alltagshandlungen, wie z.B. gemeinsam die Sp\u00fclmaschine ausr\u00e4umen, eine Blume gie\u00dfen oder das Kind f\u00fcttern. So kann die Fr\u00fchf\u00f6rderin den Eltern ihre ganz pers\u00f6nlichen St\u00e4rken aufzeigen und ihnen sagen, welche Verhaltensweisen in der Interaktion das h\u00f6rgesch\u00e4digte Kind in seiner Entwicklung unterst\u00fctzen. Wichtig sind dazu auch genaue Begr\u00fcndungen, warum das Verhalten in diesem Entwicklungsstadium f\u00fcr das Kind wertvoll ist. So erleben Eltern, dass sie in der Lage sind auch dieses Kind mit seiner H\u00f6rsch\u00e4digung, in seiner Entwicklung richtig zu unterst\u00fctzen, in ihrem ganz pers\u00f6nlichen Stil mit ihm zu sprechen und es nach ihren Vorstellungen zu erziehen. Au\u00dferdem kann neben dem Feedback zu allen positiven Punkten der Interaktion auch das Verhalten des Kindes verdeutlicht werden. F\u00fcr die Zuversicht der Eltern in die Entwicklungskr\u00e4fte ihres Kindes, ist es sehr wichtig immer wieder auch kleine Fortschritte aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Dazu ein Beispiel: Florian, 20 Monate alt, mit zwei Cochlea-Implantaten versorgt, hat ein St\u00fcck Papier in der Hand, das er dem Vater zeigt. Der Vater sagt zu ihm: &#8222;Das kommt in den Abfall.&#8220; Das Kind sieht den Vater an und zeigt durch seinen Blick, dass es nicht verstanden hat, was der Vater zu ihm gesagt hat. Der Vater bietet dem Kind seine Hand an und sagt: &#8222;Komm mit, wir bringen das Papier zum Abfalleimer&#8220;. Das Kind nimmt die Hand und geht mit. Vater: &#8222;Schau, da ist der Abfalleimer. Machst du auf?&#8220; Florian sieht den Vater an und sagt &#8222;Auf!&#8220; Vater: &#8222;Ja, mach auf und wirft das Papier rein.&#8220; Der Vater wartet ab und das Kind wirft das Papier hinein, macht den Deckel zu und sagt &#8222;Zu!&#8220;. Der Vater lobt seinen Sohn und sagt: &#8222;Genau, jetzt ist er wieder zu. Super, du machst das ganz toll!&#8220;<\/p>\n<p>Schon zu Beginn dieser kurzen Szene verh\u00e4lt sich der Vater genau richtig. Er greift den nonverbalen Kommunikationsbeitrag des Kindes auf und spricht zu dem Kind. Als er bemerkt, dass ihn das Kind nicht verstanden hat, nimmt er ihm das Papier nicht ab und erledigt das Wegwerfen schnell selbst, sondern bezieht ihn in die Handlung ein, in dem er ihm die Hand reicht. Gleichzeit kommentiert er sprachlich die Handlung. So h\u00f6rt das Kind die passenden W\u00f6rter in der Situation und kann so nach und nach Sprachverst\u00e4ndnis erwerben. Der Vater benennt den Abfalleimer, wenn sie davor stehen und versucht wieder das Kind sprachlich anzuregen. So f\u00f6rdert er die H\u00f6raufmerksamkeit des Kindes. Das Wort &#8222;auf&#8220; versteht Florian schon und imitiert es auch sprachlich. Der Vater imitiert daraufhin auch die \u00c4u\u00dferung des Kindes noch mal und best\u00e4tigt damit den Beitrag des Kindes. Er macht aber noch mehr: Er erweitert die Aussage: &#8222;Ja, mach auf und wirft das Papier rein.&#8220; Danach wartet er ab. Wie schon im Kapitel 1 erw\u00e4hnt wurde, ist dies f\u00fcr die Sprach- und Dialogentwicklung von entscheidender Bedeutung. Wenn der Vater in dieser Situation permanent sprechen w\u00fcrde, um Handlungen zu kommentieren, Aufforderungen zu geben oder Fragen zustellen, w\u00fcrde das die H\u00f6raufmerksamkeit des Kindes nicht f\u00f6rdern. Das Kind w\u00fcrde mit Sprache \u00fcbersch\u00fcttet werden und schnell innerlich abschalten. Durch die Pause gibt der Vater seinem Sohn aber die M\u00f6glichkeit seine Handlung auszuf\u00fchren, eigene Gedanken dazu zu entwickeln und diese auch sprachlich auszudr\u00fccken. So sagt Florian stolz &#8222;Zu!&#8220; Dieses Wort wurde vom Vater vorher nicht erw\u00e4hnt. Das hei\u00dft, dass er dieses Wort nicht wie das &#8222;Auf&#8220; nachgesprochen hat, sondern, dass er dieses Wort bereits selbstst\u00e4ndig und gezielt anwenden kann. Der Vater greift diesen sprachlichen Beitrag seines Sohnes auf und best\u00e4tigt ihn damit wieder.<\/p>\n<p>Zusammenfassend verh\u00e4lt sich der Vater in der Interaktion ausgesprochen entwicklungsf\u00f6rdernd. Ganz nebenbei unterst\u00fctzt er das Kind in seiner Selbstst\u00e4ndigkeitsentwicklung und st\u00e4rkt durch sein Lob sein Selbstbewusstsein. Durch die Beschreibung ihrer Beobachtungen wird die Fr\u00fchf\u00f6rderin dem Vater in der Kommunikation mit seinem Sohn wieder ein St\u00fcck mehr Sicherheit geben k\u00f6nnen, auch wenn Florian noch ganz am Anfang seiner H\u00f6r- und Sprachentwicklung steht und es nicht immer einfach ist, sich gegenseitlich verst\u00e4ndlich zu machen. Selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfen die Eltern nicht mit zuviel Feedback-Punkten \u00fcbersch\u00fcttet werden. Es ist immer sinnvoll wenige Punkte herauszugreifen und diese genau zu besprechen. W\u00e4re f\u00fcr Florians Vater auch noch ein erg\u00e4nzender Tipp sinnvoll? Die Fr\u00fchf\u00f6rderin k\u00f6nnte ihn z.B. darauf aufmerksam machen, dass ein Lob f\u00fcr Florian inhaltlich und sprachlich noch wertvoller w\u00e4re, wenn er sagt, was er genau lobt, wie z.B. &#8222;Super, das kannst du schon ganz alleine!&#8220; oder &#8222;Super, du kannst schon alleine Abfall wegwerfen!&#8220;<\/p>\n<p>War es bisher noch \u00fcberwiegend \u00fcblich, dass die Fr\u00fchf\u00f6rderin dem Kind interessantes Spielzeug mitbrachte und das Kind selbst im Spiel zum H\u00f6ren und Sprechen anregte, so ist jetzt ein anderes Rollenverst\u00e4ndnis gefordert. Sie ist nicht mehr die &#8222;Spezialistin&#8220;, die den Eltern zeigt, wie die F\u00f6rderung des Kindes aussehen muss und die Eltern sind nicht mehr die Beobachter, die dieses Verhalten kopieren sollen. Die Fr\u00fchf\u00f6rderin unterst\u00fctzt mit ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen die Bezugspersonen in ihrer ganz eigenen Art mit ihrem Kind umzugehen.<\/p>\n<p>Wesentlich ist dabei, dass sich die Begleitung und Beratung der Eltern nicht nur auf Spielsituationen beschr\u00e4nkt, sondern gezielt die vielen immer wiederkehrenden Alltagssituationen mit einbezogen werden. So geh\u00f6ren die Interaktionsbeobachtung und das anschlie\u00dfende Gespr\u00e4ch dar\u00fcber zu jeder F\u00f6rderstunde. Daneben agiert auch die Fr\u00fchf\u00f6rderin mit dem Kind, gibt erg\u00e4nzende Tipps zu den Interessen und Spielideen des Kindes und den Eltern ausreichend Zeit f\u00fcr ihre Fragen und Themen.<\/p>\n<p>Auch in der Beratung weiterer Betreuungspersonen des Kindes au\u00dferhalb der Familie bietet dieses Konzept wirklich individuelle Hilfe, weil genau analysiert werden kann, welche Verhaltensweisen bereits f\u00fcr die Entwicklung des Kindes hilfreich sind und zu welchen Bereichen noch erg\u00e4nzende Tipps gegeben werden sollten.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich muss nat\u00fcrlich auch eine Fr\u00fchf\u00f6rderin die Grenzen ihrer Kompetenzen kennen und bei Bedarf an kompetente Fachleute weiter vermitteln, wie z.B. an Psychologen, Sozialarbeiter oder Selbsthilfegruppen.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch ein paar Zahlen: Bender-K\u00f6ber\/Hochlehnert (2006) zeigen, dass leicht belegt werden kann, dass Fr\u00fchf\u00f6rderstunden schon rein zeitlich (abgesehen vom Beziehungsaspekt) niemals entwicklungsbestimmende Arbeit am Kind direkt leisten k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Das Lebensalter eines 5-j\u00e4hrigen Kindes betr\u00e4gt 43.800 Stunden. Hiervon entfallen auf die<\/p>\n<p>Schlafzeit:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a019,800 Stunden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 = 45.8 %<\/p>\n<p>Wachzeit:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a023,400 Stunden\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0= 54.2 %<\/p>\n<p>im Kindergarten:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a03,600 Stunden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 =\u00a0\u00a0 8.3 %<\/p>\n<p>in der Fr\u00fchf\u00f6rderung:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0318 Stunden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 =\u00a0\u00a0 0.7 %<\/p>\n<p>in der Familie :\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a019.482 Stunden\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0=\u00a0 83.3%<br \/>\nDer Schl\u00fcssel f\u00fcr den H\u00f6r- und Spracherwerb h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder liegt in der Hand der Familie und aller weiterer Personen, die das Kind im Alltag mit betreuen. Die Aufgabe aller Fachleute ist es daher, neben der medizinischen und technischen Versorgung des Kindes individuelle Begleitung und Beratung anzubieten, damit die Kommunikation mit dem Kind im Alltag und Spiel so optimal wie m\u00f6glich verl\u00e4uft und das Kind dar\u00fcber hinaus auch in seiner gesamten Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung die Unterst\u00fctzung bekommt, die es braucht.<\/p>\n<h2>Kontrollfragen:<\/h2>\n<p>Fr\u00fchf\u00f6rderung schwerh\u00f6riger und geh\u00f6rloser Kinder<\/p>\n<p>a) findet erst ab einem Alter von 12 Monaten statt, da die Kinder vorher noch keine F\u00f6rderspiele mitmachen<\/p>\n<p>b) findet im ersten Lebensjahr nur in Form von Beratungsgespr\u00e4chen mit den Eltern statt &#8211; die Kinder werden noch nicht mit einbezogen<\/p>\n<p>c) bedeutet f\u00fcr die Arbeit mit S\u00e4uglingen, dass die Fr\u00fchf\u00f6rderin von Anfang an m\u00f6glichst viele Ger\u00e4usche passiv anbietet, damit das Kind h\u00f6ren lernt und sich die Nervenbahnen ausbilden k\u00f6nnen<\/p>\n<p>d) bedeutet, dass in erster Linie die Eltern und andere Bezugspersonen in der Kommunikation mit dem S\u00e4ugling, und damit auch im Beziehungsaufbau unterst\u00fctzt werden<\/p>\n<p>L\u00f6sung d)<\/p>\n<p>Zur technischen Versorgung h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder sollte die Fr\u00fchf\u00f6rderin<\/p>\n<p>a) sich regelm\u00e4\u00dfig fortbilden, um Eltern kompetent beraten und unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen und mit den entsprechenden Fachleuten (H\u00f6rger\u00e4teakustiker, Mitarbeiter der CI-Zentren, P\u00e4daudiologen) eng zusammen arbeiten<\/p>\n<p>b) sich grunds\u00e4tzlich mit Aussagen zur\u00fcckhalten, da dies nicht ihr Fachgebiet ist<\/p>\n<p>c) den Eltern regelm\u00e4\u00dfig und m\u00f6glichst viel Fachliteratur dazu geben, auch wenn diese nicht danach fragen<\/p>\n<p>d) In erster Linie auf m\u00f6gliche Probleme bei der Verwendung der Ger\u00e4te aufmerksam machen<\/p>\n<p>L\u00f6sung a)<\/p>\n<p>In der Fr\u00fchf\u00f6rderstunde sollte die Fr\u00fchf\u00f6rderin<\/p>\n<p>a) mit dem Kind alleine arbeiten, weil es sich dann besser konzentrieren kann und die Eltern dadurch entlastet werden<\/p>\n<p>b) interessantes Spielzeug und Gegenst\u00e4nde verwenden, die dem Kind sonst nicht zur Verf\u00fcgung stehen<\/p>\n<p>c) Spiel- und Alltagshandlungen aufgreifen, die im Leben des Kindes eine gro\u00dfe Rolle spielen, da so die Umsetzung der Beratungspunkte am besten gegeben ist<\/p>\n<p>d) den Eltern in jeder Stunde spezielle Ger\u00e4uschespielzeuge zeigen und den Umgang erkl\u00e4ren<\/p>\n<p>L\u00f6sung c)<\/p>\n<p>Die Aufgabe der Fr\u00fchf\u00f6rderin besteht heutzutage in erster Linie darin<\/p>\n<p>a) die Eltern und andere Bezugspersonen in ihren eigenen Kompetenzen zu st\u00e4rken und so einen H\u00f6r- und Spracherwerb im Alltag zu erm\u00f6glichen<\/p>\n<p>b) den Eltern ein m\u00f6glichst perfektes Vorbild im Umgang mit dem Kind zu sein<\/p>\n<p>c) den Eltern zu vermitteln, dass Fachleute ihre Kinder besser f\u00f6rdern k\u00f6nnen als sie selbst, weil diese die entsprechende Ausbildung und Erfahrung haben<\/p>\n<p>d) psychische Probleme der Eltern durch die Diagnose, wie z.B. Depressionen, in Gespr\u00e4chen aufzuarbeiten<\/p>\n<p>L\u00f6sung a)<\/p>\n<h1>Literatur:<\/h1>\n<p>Batliner, Gisela (2004): H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder spielerisch f\u00f6rdern. Ein Elternbuch zur fr\u00fchen H\u00f6rerziehung.2. Auflage, M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt<\/p>\n<p>Batliner, Gisela (2003): H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder im Kindergarten. Ein Ratgeber f\u00fcr den Gruppenalltag. M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt<\/p>\n<p>Bender-K\u00f6ber, Beate, Hochlehnert, Hildegunde (2006):Elternzentriertes Konzept zur F\u00f6rderung des Spracherwerbs. Handbuch zur Durchf\u00fchrung von Elternworkshops. Borgmann Media, Dortmund<\/p>\n<p>Clark, Morag (2006) A Practical Guide to Quality Interaction With Children Who Have a Hearing Loss. San Diego: Plural Publishing \u2192 Die deutsche \u00dcbersetzung &#8222;Interaktion mit h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern&#8220; erscheint im M\u00e4rz 2009 im Ernst Reinhardt Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Horsch, Ursula (2007): Der ununterbrochene Dialog. In: Spektrum H\u00f6ren 2007<\/p>\n<p>P\u00f6llmacher, Angelika, Holthaus, Hanni (2005): Auf einmal ist alles anders! M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00f6rderung der Sprachentwicklung in der Gruppensituation Gisela Batliner zeigt auf, wie die H\u00f6rentwicklung der Kinder in diesen jungen Jahren unterst\u00fctzt werden kann, wie mit ihnen gesprochen werden sollte, um einen nat\u00fcrlichen Spracherwerb zu f\u00f6rdern, und welche Rolle die mitwirkenden p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte in diesem Prozess spielen. 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