{"id":400,"date":"2015-07-17T15:24:59","date_gmt":"2015-07-17T15:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/earbook.online\/hicen\/de\/?page_id=400"},"modified":"2015-07-23T09:28:58","modified_gmt":"2015-07-23T09:28:58","slug":"6-horgeschadigte-kinder-mit-mehrfachen-behinderungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/earbook.online\/hicen\/de\/6-horgeschadigte-kinder-mit-mehrfachen-behinderungen\/","title":{"rendered":"6 &#8211;  H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder mit mehrfachen Behinderungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 32pt;\">H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder mit mehrfachen Behinderungen<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Gottfried Diller<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wendet sich den Fragen zu, die entstehen, wenn zus\u00e4tzliche Erschwernisse oder Behinderungen bei der F\u00f6rderung zu ber\u00fccksichtigen sind, z. B. durch weitere Sinnesbeeintr\u00e4chtigungen oder im Rahmen von Syndromen.<\/p>\n<h1>Einf\u00fchrung<\/h1>\n<p>Wenn bei einem Baby oder Kleinkind z. B. eine hochgradige H\u00f6rsch\u00e4digung diagnostiziert wird, gilt es im allgemeinen Sprachgebrauch und im Verst\u00e4ndnis der Menschen als behindert &#8211; in diesem Fall als h\u00f6rbehindert. Ein blindes Kind, ein Kind mit Trisomie 21 oder ein Kind mit k\u00f6rperlichen Missbildungen gelten ebenfalls als behindert. Jeder kennt aber auch F\u00e4lle, in denen man nicht sicher sein kann, ob eventuell eine Behinderung vorliegt. Ein Kind, das in der Schule deutliche Leistungsr\u00fcckst\u00e4nde aufweist: ist es einfach nur &#8222;faul&#8220; oder vielleicht doch lernbehindert? Ein Kind, das mit drei Jahren noch kein Wort spricht:\u00a0 w\u00e4chst sich das aus oder liegt eine Entwicklungsst\u00f6rung vor? Ein Kind, das ein \u00e4u\u00dferst aggressives Spielverhalten an den Tag legt: handelt es nur deshalb so, weil es dieses Verhalten in der Familie gelernt hat, oder ist es psychisch behindert?<\/p>\n<p>Die Beispiele zeigen, dass der Begriff &#8222;Behinderung&#8220; nicht eindeutig zu verwenden ist. Vielmehr &#8222;schillert&#8220; er und bezeichnet wohl manches Mal auch Eigenschaften und Verhaltensweisen f\u00e4lschlich als &#8222;nicht normal&#8220;.<\/p>\n<p>In der Sonderp\u00e4dagogik wird dieser Begriff daher vorsichtig verwendet. Es gibt seit geraumer Zeit und von vielen verschiedenen Wissenschaftlern immer wieder neue Bem\u00fchungen, um begrifflich klar zu fassen, was unter einer Behinderung zu verstehen ist und was nicht. Diese Diskussion kommt zum Teil auch deshalb nicht zu einem allseits akzeptierten Ende, weil sie u. a. auf ganz unterschiedlichen Grundannahmen \u00fcber das Menschenbild, das Gesellschaftmodell oder das Theorieverst\u00e4ndnis selber beruht. Eines hat sich im Zuge der Debatten inzwischen aber schon gezeigt: die Auffassung, dass die Ursache der Behinderung allein im behinderten Menschen liegt, ist nicht mehr akzeptabel und konsensf\u00e4hig. Eine solche &#8222;Defizitorientierung&#8220; unterschl\u00e4gt einfach, dass es in Gestalt der sozialen Umwelt des behinderten Menschen auch eine zweite Seite gibt, die f\u00fcr die Manifestation der Behinderung n\u00f6tig ist. Deshalb klingen moderne Definitionen des Behinderungsbegriffs heute anders, z. B. so wie von Alfred Sanders formuliert: &#8222;Behinderung liegt vor, wenn ein Mensch mit einer Sch\u00e4digung oder Leistungsminderung ungen\u00fcgend in sein vielschichtiges Mensch-Umfeld-System integriert ist&#8220; (H. Eberwein, S. Knauer: Handbuch der Integrationsp\u00e4dagogik, Beltz 2002). Hier wird die Behinderung also nicht nur auf eine Sch\u00e4digung oder Leistungsminderung eines einzelnen Menschen zur\u00fcckgef\u00fchrt, sondern auch auf die Unf\u00e4higkeit des Umfelds des betreffenden Menschen, diesen zu integrieren.<\/p>\n<p>Welchem Behinderungsbegriff man folgt, ist nat\u00fcrlich auch wichtig f\u00fcr eine Besch\u00e4ftigung mit den so genannten Mehrfachbehinderungen, die ja Thema dieses Moduls sein werden. Man kann sich vielleicht schon denken, dass auch zu diesem Fachterminus unterschiedliche Grundauffassungen existieren, daraus folgend ebenso verschiedene Klassifikationen und schlie\u00dflich auch voneinander abweichende diagnostische Bestimmungskriterien und sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderkonzepte. Das ist aber nicht unbedingt als negativ zu bewerten, denn die Pluralit\u00e4t der Ans\u00e4tze und &#8222;Schulen&#8220; treibt ja auf der anderen Seite auch den fachlichen Diskurs voran und damit auch die Weiterentwicklung von Theorie und Praxis.<\/p>\n<p>Zum Schluss dieser einleitenden Gedanken sei darauf hingewiesen, dass die Darstellung fokussiert auf Mehrfachbehinderungen beim Vorliegen einer H\u00f6rsch\u00e4digung. Nat\u00fcrlich ist solch ein gleichzeitiges Auftreten verschiedener Behinderungsarten nicht obligatorisch: eine H\u00f6rsch\u00e4digung kann auch isoliert auftreten und umgekehrt kann ein Kind auch mehrfach behindert sein, ohne eine H\u00f6rsch\u00e4digung zu haben. Man denke z. B. nur an ein spastisch gel\u00e4hmtes Kind mit einer zus\u00e4tzlichen Sehsch\u00e4digung oder ein Kind, das durch eine cerebrale Bewegungsst\u00f6rung k\u00f6rperbehindert und oft auch zus\u00e4tzlich sprach- oder lernbehindert ist. Die unterschiedlichen Formen und Ph\u00e4nomene, die all diesen Arten von Mehrfachbehinderungen eigen sind, werden von den einzelnen Fachdisziplinen der Sonderp\u00e4dagogik behandelt. Selbstverst\u00e4ndlich ist gerade beim Vorliegen von Mehrfachbehinderungen eine interdisziplin\u00e4re Sicht und f\u00fcr die praktische Arbeit eine Kooperation zwingend. Und doch gibt es Schwerpunkte der Betrachtung, wie gezeigt werden wird.<\/p>\n<p>Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Fachgebiet der H\u00f6rgesch\u00e4digtenp\u00e4dagogik und auf den Problemen der h\u00f6rgesch\u00e4digten Kinder mit mindestens einer zus\u00e4tzlichen Behinderung.<\/p>\n<h1>Kapitel 1: Sch\u00e4digung, Funktionsst\u00f6rung und deren Auswirkungen auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben<\/h1>\n<p>Die wichtigsten Lernziele bestehen darin,<\/p>\n<p>zu wissen, was eine isolierte von einer mehrfachen Sch\u00e4digung unterscheidet;<\/p>\n<p>zu verstehen, wann man von einer isolierten bzw. einer mehrfachen Funktionsst\u00f6rungen spricht;<\/p>\n<p>und unter welchem Aspekt man von einer Behinderung\/Mehrfachbehinderung spricht.<\/p>\n<p>Die Zahl der h\u00f6rgesch\u00e4digten Kinder mit Mehrfachbehinderung steigt, was u. a. auf die verbesserten medizinischen Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die die \u00dcberlebenschance vieler Kinder erh\u00f6hen. Man muss davon ausgehen, dass 20 &#8211; 30 % aller h\u00f6rgesch\u00e4digten Kinder eine weitere Sch\u00e4digung haben. Diese Kinder sind mehrfachbehindert.<\/p>\n<p>Untersuchungen zeigen, dass etwa 20 % aller Kinder im vorschulischen Alter zus\u00e4tzliche Behinderungen oder Erschwernisse haben (Diller et al. 1997: 21,4 %, Hartmann 1974: 22,4 %, Meadow-Orlans et al 1995: 20 %). Damit ist die Gefahr, dass neben der H\u00f6rsch\u00e4digung auch Entwicklungs- und Lernprobleme bei h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern vorhanden sind, deutlich h\u00f6her als bei h\u00f6renden Kindern. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass etwas ein Viertel aller h\u00f6rgesch\u00e4digten Kinder betroffen ist (Hintermair 2003, Rowell 1987, Funderberg 1982). Bei Kindern im Schulalter liegen die Zahlen bei 30 % und mehr (Meadow-Orlans et al. 1995: 30 %, Meadow-Orlans et al. 1997: 32 %, Schwope 1995: 29,9 %). \u201eAls Grund f\u00fcr diese Differenzen wird angef\u00fchrt, dass viele Kinder in fr\u00fchem Alter noch nicht als zus\u00e4tzlich \u201abeeintr\u00e4chtigt\u2019 erkannt werden bzw. h\u00e4ufig klare Diagnosen nicht gestellt werden k\u00f6nnen (oder gestellt werden wollen)\u201c (Hintermair 2003, 271).<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen H\u00f6rst\u00f6rungen schon in den ersten Tagen nach der Geburt diagnostiziert werden (==&gt; Neugeborenen H\u00f6rscreening, Modul 1). Die F\u00f6rderung der Kinder beginnt dann bereits in den ersten Lebenswochen. Dadurch hat man die M\u00f6glichkeit, neben der H\u00f6r- und Sprachentwicklung darauf zu achten, inwieweit sich auch alle anderen F\u00e4higkeiten des Kindes altersgem\u00e4\u00df entwickeln. Damit haben wir die Chance, \u201epotenzielle Gefahren\u201c von zus\u00e4tzlichen Behinderungen oder Erschwernissen rechtzeitig zu erkennen und evtl. zu verhindern oder in ihren Auswirkungen zu vermindern.<\/p>\n<p>Wenn von Mehrfachbehinderung gesprochen wird, herrscht z. T. gro\u00dfe Verwirrung, was darunter zu verstehen ist und wie die Zusammenh\u00e4nge zwischen den einzelnen Behinderungen und die Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen sind. Deshalb soll zun\u00e4chst eine kurze begriffliche und damit auch inhaltliche Beschreibung erfolgen, denn Behinderung ist ein Oberbegriff, der unter dem Aspekt der Sch\u00e4digung, der Funktionsst\u00f6rung und der Auswirkungen der Sch\u00e4digung\/Funktionsst\u00f6rung klassifiziert werden kann:<\/p>\n<h2>Sch\u00e4digung (am Beispiel H\u00f6rsch\u00e4digung)<\/h2>\n<p>Isolierte Sch\u00e4digung: Eine H\u00f6rsch\u00e4digung trifft auf, wenn im Bereich des \u00e4u\u00dferen Ohres, des Mittelohres, des Innenohres und\/oder des zentralen H\u00f6rsystems aus medizinischer Sicht ein k\u00f6rperlicher Schaden vorliegt.<\/p>\n<p>H\u00f6rsch\u00e4den k\u00f6nnen dominant oder rezessiv bedingt sein. D. h. bei einer dominanten Vererbung reicht es, wenn ein Elternteil dieses Gen tr\u00e4gt. Bei rezessiven Vererbungen m\u00fcssen beide Elternteile ein entsprechendes Gen haben.<\/p>\n<p>Erworbene H\u00f6rsch\u00e4den entstehen u. U. durch Fr\u00fchgeburt, Meningitis, R\u00f6teln, schweren Infektionen, Sauerstoffmangel, toxische Sch\u00e4den oder medikament\u00f6se \u00dcberdosierungen. Oftmals ist eine Ursache f\u00fcr das Entstehen mehrerer Behinderungen verantwortlich, z. B. kann sich Sauerstoffmangel auf die kognitive und die motorische Entwicklung sowie auf die H\u00f6rf\u00e4higkeit gleichzeitig auswirken.<\/p>\n<p>H\u00f6rsch\u00e4den k\u00f6nnen w\u00e4hrend und nach der Geburt entstehen oder sich im Laufe des Lebens entwickeln, z. B. durch zunehmende Verschlechterung der H\u00f6rf\u00e4higkeit. Eine Degeneration des H\u00f6rens kann genetisch, durch Krankheit oder Alterungsprozesse verursacht sein.<\/p>\n<p>Die Medizin hat heute M\u00f6glichkeiten, die H\u00f6rst\u00f6rung durch medikament\u00f6se, technische und operative Ma\u00dfnahmen bis zu bestimmten Grenzen zu therapieren z. B. auch durch technische Hilfen wie H\u00f6rger\u00e4te und Cochlea Implantate.<\/p>\n<p>Mehrfache Sch\u00e4digungen: Liegen gleichzeitig mehrere Sch\u00e4digungen k\u00f6rperlicher und neurophysiologischer Art vor, wird von Mehrfachsch\u00e4digung gesprochen, z. B. dann, wenn neben einer H\u00f6rsch\u00e4digung, eine andere k\u00f6rperliche und\/oder eine Sch\u00e4digung im Bereich des Gehirns (Zentralnervensystems) besteht.<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von Syndromen bzw. genetischen St\u00f6rungen, die neben einer H\u00f6rsch\u00e4digung mit weiteren Sch\u00e4digungen verbunden sind, z. B. im Bereich des Sehens, der k\u00f6rperlichen und geistigen Entwicklung. Mehrfachsch\u00e4digungen k\u00f6nnen von Geburt an vorhanden sein oder durch schicksalhafte Kumulierung (&#8222;Sekund\u00e4rsch\u00e4digung&#8220;) entstehen, z. B. wenn ein Geh\u00f6rloser durch Krankheit zus\u00e4tzlich k\u00f6rperbehindert oder sehgesch\u00e4digt wird.<\/p>\n<h2>Funktionsst\u00f6rung<\/h2>\n<p>Isolierte Funktionsst\u00f6rung: Aus einer Sch\u00e4digung k\u00f6nnen sich Funktionsst\u00f6rungen entwickeln, d. h. das entsprechende K\u00f6rperteil, in unserem Fall das H\u00f6rorgan, ist nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt in der Lage, seine H\u00f6rfunktion wahrzunehmen. Diese sind u.a.:<\/p>\n<p>die Schallwahrnehmung von T\u00f6nen, Ger\u00e4uschen und der Sprache, deren Tonh\u00f6he, Lautst\u00e4rke und Qualit\u00e4t<\/p>\n<p>das Richtungsh\u00f6ren, um erkennen zu k\u00f6nnen, aus welcher Richtung ein Ton oder Ger\u00e4usch kommt<\/p>\n<p>die Wahrnehmung prosodischer Elemente (z. B. Melodie, Rhythmus, Betonung Klang) der gesprochenen Sprache<\/p>\n<p>die Schallunterscheidung von T\u00f6nen oder Ger\u00e4uschen und Sprache<\/p>\n<p>zu h\u00f6ren, ob ein Ton gleich oder unterschiedlich klingt<\/p>\n<p>das Erkennen von Schallereignissen, z. B. wissen, was ein geh\u00f6rtes Ger\u00e4usch bedeutet, also etwa: das Kind h\u00f6rt etwas und erkennt dabei die Stimme der Mutter, das Klingeln des Telefons usw., ohne dabei einen Vergleich zu haben<\/p>\n<p>das Verstehen von Sprache, z. B. zu wissen, was der andere gesagt hat. Das Kind versteht die Bedeutung des Geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Funktionsst\u00f6rungen als Auswirkung von Mehrfachsch\u00e4digungen: Von Mehrfachsch\u00e4digungen wird gesprochen, wenn neben einer Sch\u00e4digung, z. B. der H\u00f6rsch\u00e4digung, die bestimmte Auswirkungen haben kann, gleichzeitig eine zweite bzw. mehrere Sch\u00e4digungen vorliegen, die ihrerseits die Entwicklung des Kindes beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Funktionsst\u00f6rungen k\u00f6nnen als Folge einer Sch\u00e4digung (&#8222;multipler prim\u00e4rer Defekt&#8220;) auftreten, z. B. kann eine zerebrale St\u00f6rung der Motorik eine K\u00f6rperfunktion betreffen, zus\u00e4tzlich aber oft auch eine Funktionsst\u00f6rung der Sprachentwicklung, des Sprachgebrauchs oder des Lernens bewirken. Hierbei handelt es um obligate Folgen, also um St\u00f6rungen, die nicht zu verhindern sind, die aufgrund von einer mehrfachen Prim\u00e4rsch\u00e4digung entstehen k\u00f6nnen. Es ist aber auch m\u00f6glich, dass mehrere einzelne Sch\u00e4digungen gleichzeitig auftreten, die in Abh\u00e4ngigkeit zur Einzelst\u00f6rung, aber auch als Ergebnis des ganzheitlichen Zusammenwirkens entsprechend komplexe Funktionsst\u00f6rungen verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Liegen neben der H\u00f6rst\u00f6rung noch weitere Sch\u00e4digungen vor, ergeben sich u. U. Funktionsst\u00f6rungen, die auf vielerlei Sch\u00e4digungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese Faktoren wirken nicht nebeneinander, additiv, sondern sie haben ihrer Gesamtheit gegenseitigen Einfluss auf die Entwicklung der einzelnen Funktionen.<\/p>\n<p>Mehrfache Funktionsst\u00f6rung als Mehrfachbehinderung: In der P\u00e4dagogik besch\u00e4ftigt man sich mit den Auswirkungen einer Sch\u00e4digung, den Funktionsst\u00f6rungen. Der Begriff Mehrfachbehinderung wird in verschiedenem Kontext unterschiedlich verwendet. So versteht man darunter zum Beispiel in der p\u00e4dagogischen Diskussion ein verwobenes Beziehungsgeflecht, eine Struktur und nicht die Summe verschiedener Behinderungen. Die pragmatische Bestimmung des Begriffs richtet sich nach dem Bedarf an rehabilitativer Hilfe, die \u00fcber das Ma\u00df hinausgeht, das f\u00fcr eine bestimmte Behinderungsart erforderlich ist.<\/p>\n<p>Man kann dann von Mehrfachbehinderung sprechen, wenn z. B. neben der H\u00f6rsch\u00e4digung eine geistige Behinderung, andere Sinnessch\u00e4den, K\u00f6rperbehinderungen, insbesondere zerebrale L\u00e4hmungen und Bewegungsst\u00f6rungen, zerebrale Sprachst\u00f6rungen, neurogene Lernst\u00f6rungen, Wahrnehmungsst\u00f6rungen und\/oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-\/Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung) vorliegen.<\/p>\n<p>Spricht man anstatt von zus\u00e4tzlichen von mehrfachen Behinderungen bzw. Mehrfachhinderung, so wird damit zum Ausdruck gebracht, dass nicht nur jede einzelne Behinderung ihre Auswirkungen hat, sondern alle beim Kind vorhandenen Behinderungen insgesamt in der Verbindung die Entwicklung des Kindes beeinflussen. So haben z. B. H\u00f6rsch\u00e4digung und Blindheit ihre eigenen spezifischen Auswirkungen. Nicht-Sehen-K\u00f6nnen bedeutet z. B. Einschr\u00e4nkungen in der Mobilit\u00e4t, der Spracherwerb ist dagegen gut m\u00f6glich. Nicht-H\u00f6ren-K\u00f6nnen bedeutet meist Schwierigkeiten beim Spracherwerb. Kommt beides zusammen, sind sowohl Mobilit\u00e4t und Spracherwerb betroffen. Es k\u00f6nnen keine gegenseitigen Kompensationen stattfinden. In der Kombination von beiden Behinderungsarten k\u00f6nnen aber zus\u00e4tzliche Probleme auftreten.<\/p>\n<p>In Abh\u00e4ngigkeit vom Schweregrad der einzelnen Sch\u00e4digungen und der Anzahl der Sch\u00e4digungen k\u00f6nnen sich leichtere oder komplexere Behinderungen entwickeln, die eine Entwicklung des Kindes in erheblichem Ma\u00dfe beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sind aufgrund von mehrfachen Sch\u00e4digungen nahezu alle Entwicklungs- und Lebensbereiche betroffen, spricht man von mulitfunktionellen St\u00f6rungen. P\u00e4dagogisch gesehen sind dies mehrfach behinderte oder auch schwerst mehrfach behinderte Kinder.<\/p>\n<p>Funktionsst\u00f6rungen m\u00fcssen nicht zwingend eintreten: Gelingt es durch medizinische, technische, therapeutische oder p\u00e4dagogische und psychologische Ma\u00dfnahmen die Auswirkung einer Sch\u00e4digung zu beeinflussen, so zeigen sich weniger Funktionsst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine H\u00f6rsch\u00e4digung ist dies wie folgt zu verstehen: Wir sind heute dazu in der Lage, dem h\u00f6rgesch\u00e4digten Kind durch apparative Hilfen eine Entwicklung seiner H\u00f6rf\u00e4higkeit zu erm\u00f6glichen. Tun wir dies nicht, wird es das Kind erheblich schwerer haben, z. B. die Lautsprache zu erwerben. Als Folgebehinderung w\u00fcrde dann eine Sprachst\u00f6rung eintreten. Dies l\u00e4sst sich aber weitgehend verhindern<\/p>\n<p>Sch\u00e4digung und zus\u00e4tzliche Erschwernisse: Von zus\u00e4tzlichen Erschwernissen ist zu sprechen, wenn sie nicht urs\u00e4chlich auf eine organische St\u00f6rung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, z. B. bei Verhaltens-, Lern-, Konzentrations-, Erziehungs- sowie Ged\u00e4chtnis- und Wahrnehmungsschwierigkeiten. Hier sind es oftmals \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse, die bestimmte Entwicklungen erschweren oder z. T. verhindern k\u00f6nnen. Die Situation ein h\u00f6rbehindertes Kind zu haben, ist f\u00fcr viele Familien keine leichte Aufgabe. Es kann zu St\u00f6rungen der Eltern-Kind-Kommunikation kommen, die sich u. U. auf die psychosoziale Entwicklung des Kindes auswirkt. Auch hier kann eine rechtzeitige Intervention unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist davon auszugehen, dass die Lern- und Entwicklungsprobleme bei h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern deutlich gegen\u00fcber h\u00f6renden Kindern erh\u00f6ht sind&#8220; (Hintermair 2004, 12ff). Dieser Art von Behinderung muss keine organische Fehlfunktion zugrunde liegen. Sie k\u00f6nnen sich entwickeln, m\u00fcssen es aber nicht. P\u00e4dagogisch wichtig ist, dass nicht alle Anzeichen von Entwicklungsverz\u00f6gerungen sich manifestieren m\u00fcssen. Es ist auch m\u00f6glich, negative Auswirkungen zu verhindern.<\/p>\n<h2>Auswirkungen der Sch\u00e4digung und Funktionsst\u00f6rung auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft<\/h2>\n<p>Eine Vielzahl von Sch\u00e4digungen und den damit verbundenen mehrfachen Funktionsst\u00f6rungen k\u00f6nnen die Entwicklung eines h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindes und damit die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinflussen. Erst wenn es um die Teilhabe bzw. die Auswirkungen einer St\u00f6rung geht, entsteht Behinderung im eigentlichen Sinne.<\/p>\n<p>\u201eAls behindert gelten Personen, die infolge einer Sch\u00e4digung ihrer k\u00f6rperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen soweit beeintr\u00e4chtigt sind, dass ihre unmittelbare Lebensverrichtung oder ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft erschwert werden\u201c (Bleidick 1992).<\/p>\n<p>St\u00f6rungen der H\u00f6rfunktion k\u00f6nnen unterschiedliche Auswirkungen haben, z. B. in den klassischen direkt \u201e h\u00f6rbezogenen\u201c aber auch in den nicht direkt \u201eh\u00f6rbezogenen\u201c Bereichen. Zu den \u201eh\u00f6rbezogenen Bereichen\u201c geh\u00f6ren u. a.:<\/p>\n<p>Zuh\u00f6ren (nachmachen, nachahmen, imitieren von dem, was h\u00f6rbar ist<\/p>\n<p>Verstehen von Geh\u00f6rtem<\/p>\n<p>Der Entwicklung von Sprache und Sprechen<\/p>\n<p>In der Einzelkommunikation und im Gruppengespr\u00e4ch mit bekannten und unbekannten Personen<\/p>\n<p>H\u00f6ren im St\u00f6rl\u00e4rm (laute Umgebung, wenn Viele durcheinander Sprechen usw.)<\/p>\n<p>Beim Gebrauch von audio-visuellen Medien<\/p>\n<p>Zu den nicht direkt \u201eh\u00f6rbezogenen Bereichen\u201c geh\u00f6ren u. a.:<\/p>\n<p>Motorische F\u00e4higkeiten<\/p>\n<p>Psycho-soziale Aspekte<\/p>\n<p>Emotionalit\u00e4t<\/p>\n<p>Kognitive F\u00e4higkeiten<\/p>\n<p>Alle diese Kompetenzen spielen eine Rolle, wenn es darum geht, welche M\u00f6glichkeiten Kinder in der Familie, in ihrer Lebensumwelt, im Kindergarten, in der Schule, im Beruf und in der Gesellschaft k\u00fcnftig haben werden.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Lern-Check zu Kapitel 1<\/h2>\n<p>1) Von einer isolierten H\u00f6rsch\u00e4digung spricht man, wenn \u2026<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 nur eine einseitige H\u00f6rsch\u00e4digung vorliegt;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 im Bereich des \u00e4u\u00dferen Ohres, des Mittelohres, des Innenohres und\/oder des zentralen H\u00f6rsystems aus medizinischer Sicht ein k\u00f6rperlicher Schaden vorliegt;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die H\u00f6rsch\u00e4digung von anderen Sch\u00e4den isoliert werden kann;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 auch andere Sch\u00e4digungen vorliegen, aber nicht mit der H\u00f6rsch\u00e4digung in Zusammenhang stehen.<\/p>\n<p>2) Eine mehrfache Sch\u00e4digung liegt vor, wenn \u2026<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 eine Person wegen der H\u00f6rsch\u00e4digung auch gesellschaftlich ausgegrenzt wird;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 eine binaurale H\u00f6rsch\u00e4digung diagnostiziert ist;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 neben der H\u00f6rsch\u00e4digung noch andere Sch\u00e4digungen zeitgleich existieren;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 auch die Eltern und\/oder Geschwister H\u00f6rsch\u00e4digungen aufweisen.<\/p>\n<p>3) Als isolierte Funktionsst\u00f6rung eines gesch\u00e4digten H\u00f6rorgans k\u00f6nnte z. B. gelten:<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 eine Perforation des Trommelfells;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ein gest\u00f6rtes Richtungsh\u00f6ren;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 eine hoch belastete Familiensituation;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ein Schulversagen in wichtigen Leistungsf\u00e4chern<\/p>\n<p>4) Was bedeutet der Begriff &#8218;multifunktionelle St\u00f6rung&#8216;?<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 F\u00fcr eine H\u00f6rsch\u00e4digung gibt es viele Gr\u00fcnde;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Aufgrund von mehrfachen Sch\u00e4digungen sind nahezu alle Entwicklungs- und Lebensbereiche betroffen;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es sind mehrere Funktionen des H\u00f6rorgans beeintr\u00e4chtigt;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Solchen Kindern ist therapeutisch nicht mehr zu helfen.<\/p>\n<p>5) Wann spricht man von Behinderung?<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn mehrere St\u00f6rungen zusammen auftreten;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nur dann, wenn es um eine K\u00f6rper- oder Sinnesbehinderung geht;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn die Auswirkungen einer Sch\u00e4digung die Teilhabe am sozialen Leben erschwert;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Behinderung ist ein rein medizinischer Begriff.<\/p>\n<p>6) Welche Auswirkungen k\u00f6nnen H\u00f6rsch\u00e4digungen haben?<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Es gibt sowohl direkt h\u00f6rbezogene, aber auch andere, nur indirekt h\u00f6rbezogene Wirkungen;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 H\u00f6rsch\u00e4digungen selbst haben keine Auswirkungen, es sind nur gesellschaftliche Umst\u00e4nde, die zu negativen Folgen f\u00fchren;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auswirkungen von H\u00f6rsch\u00e4digungen k\u00f6nnen durch Technik vollst\u00e4ndig beseitigt werden;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 H\u00f6rgesch\u00e4digte sind komplett gesellschaftlich isoliert.<\/p>\n<h1>Kapitel 2: Die Aufgabe der H\u00f6rrehabilitation<\/h1>\n<p>Die wichtigsten Lernziele bestehen darin,<\/p>\n<p>zu wissen, welche Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreichen Rehabilitation gegeben sein m\u00fcssen;<\/p>\n<p>formulieren zu k\u00f6nnen, worauf es bei einer H\u00f6rrehabilitation mit mehrfach behinderten Kindern besonders ankommt;<\/p>\n<p>zu verstehen, warum die fachkundige Erstellung von Entwicklungsprofilen wichtig ist.<\/p>\n<p>Die Aufgabe der H\u00f6rrehabilitation ist es, die Auswirkungen der St\u00f6rung des H\u00f6rens auf die Funktion des H\u00f6rens durch F\u00f6rder- und Therapiemodelle positiv zu beeinflussen. Damit kann den negativen Auswirkungen der H\u00f6rst\u00f6rung und damit dem Umfang der Behinderung erheblich entgegengewirkt werden. Dies setzt voraus:<\/p>\n<p>H\u00f6rsch\u00e4digungen werden so fr\u00fch wie m\u00f6glich diagnostiziert,<\/p>\n<p>die Versorgung mit technischen H\u00f6rhilfen erfolgt direkt nach der Diagnose,<\/p>\n<p>Mehrfachsch\u00e4digungen (-behinderungen) werden erkannt,<\/p>\n<p>Entwicklungsverz\u00f6gerungen werden wahrgenommen.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen, die mit einer Sch\u00e4digung verbunden sein k\u00f6nnen, sind vom Zeitpunkt der Diagnose, vom Umfang der Sch\u00e4digung und den M\u00f6glichkeiten der medizinisch-h\u00f6rtechnischen Versorgung und dem Zeitpunkt des Beginns und der Art der F\u00f6rderung abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Jede Behinderung hat ihre eigenen Schwerpunkte in der F\u00f6rderung. Hat das Kind neben der H\u00f6rsch\u00e4digung weitere Behinderungen, sind diese selbstverst\u00e4ndlich in der F\u00f6rderung zu ber\u00fccksichtigen, z. B. durch die Kooperation mit anderen Fachdisziplinen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine H\u00f6rsch\u00e4digung liegt der Schwerpunkt beim H\u00f6ren im Kontext der Gesamtentwicklung des h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindes. H\u00f6ren als eine grundlegende Wahrnehmungskompetenz beeinflusst nicht nur die Sprach- und Kommunikationsf\u00e4higkeit des Kindes, sondern auch die motorische, sozial-emotionale und kognitive Entwicklung.<\/p>\n<p>H\u00f6ren nimmt Einfluss auf das Lernen, die Konzentration, das Ged\u00e4chtnis und das Verhalten des Kindes. Die F\u00f6rderung des H\u00f6rens unterst\u00fctzt eine altersgem\u00e4\u00dfe Entwicklung des Kindes.<\/p>\n<p>Da die Auswirkungen von Sch\u00e4digungen nicht von Anfang an festgelegt sind, ist es wichtig, aufmerksam die Fortschritte in den einzelnen Entwicklungsbereichen zu beobachten und, falls dies m\u00f6glich, ist objektiv zu erfassen.<\/p>\n<p>Die F\u00f6rderung eines h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindes sofort nach der Diagnostik, also k\u00fcnftig schon mit wenigen Lebensmonaten, hat auch darauf zu achten, ob noch weitere Behinderungen zu diesem Zeitpunkt bekannt sind oder erkennbar werden.<\/p>\n<p>Doch was genau ist zu tun? Hier sind nicht nur die Eltern eines behinderten Kindes zun\u00e4chst meist sehr verunsichert. Der Familie, dem Umfeld, den Tagesm\u00fcttern, den Erzieherinnen in einem Regelkindergarten geht es vielleicht \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Was ist zu tun? Nat\u00fcrlich sind hier zun\u00e4chst die Fachkompetenzen gefragt. Informationen und Anregungen \u00fcber F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten von bestimmten Behinderungen sind das eine: Worauf sollte ich achten, wie kann ich dem Kind helfen, seine ganzen F\u00e4higkeiten zu entwickeln? Wie viel Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen Eltern, Tagesm\u00fctter, Erzieher und das Kind mit Behinderungen selbst? Auf welcher Entwicklungsstufe steht das Kind? Besonders die Antwort auf die letzte Frage ist von hoher Bedeutung. Antworten auf diese Fragen machen mich in meinen Umgang mit dem Kind sicherer und zuversichtlicher oder sie geben Anlass aufmerksam zu werden auf Entwicklungen, die ich vielleicht nicht erkannt oder wahrgenommen habe. Um an diese Informationen zu gelangen, sind eigene Beobachtungen sinnvoll.<\/p>\n<p>Sie sollten aber durch objektivere Sichtweisen, z. B. durch die Verwendung von Entwicklungsprofilen erg\u00e4nzt werden. Diese k\u00f6nnen dann besonders hilfreich sein, wenn das Kind mehrere Behinderungen hat. Solche Profile sollten auf dem Wissen \u00fcber die Meilensteine der kindlichen Entwicklung basieren, wie sie auch in dieser Reihe vorgestellt werden (==&gt; Modul 8).<\/p>\n<h2>Lern-Check zu Kapitel 2<\/h2>\n<p>1) Wof\u00fcr sind fr\u00fche Diagnose und Versorgung von H\u00f6rsch\u00e4digungen wichtig?<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Damit die H\u00f6rsch\u00e4digung sich nicht verschlimmert;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Damit die vorhandenen Rehabilitationseinrichtungen und H\u00f6rger\u00e4tehersteller ausgelastet sind;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Damit die Therapeuten die Eltern fr\u00fch als Ko-Therapeuten anleiten k\u00f6nnen;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Damit man in F\u00f6rderung und Therapie effektiv negative Auswirkungen kompensieren kann .<\/p>\n<p>2) Mehrfach behinderte Kinder werden genauso behandelt wie einfach h\u00f6rgesch\u00e4digte.<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diese Aussage ist vollkommen richtig;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Stimmt, aber es m\u00fcssen noch weitere Fachkr\u00e4fte aus Technik und Wissenschaft hinzugezogen werden;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hat das Kind neben der H\u00f6rsch\u00e4digung weitere Behinderungen, sind diese z. B. durch die Kooperation mit anderen Fachdisziplinen zu ber\u00fccksichtigen;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Mehrfach behinderte Kinder brauchen eine komplett andere F\u00f6rderung als einfach h\u00f6rgesch\u00e4digte.<\/p>\n<p>3) Welche Vorteile bieten Entwicklungsprofile?<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie sammeln die subjektiven Eindr\u00fccke von der kindlichen Entwicklung ;<\/p>\n<p>b)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie erleichtern das Erkennen von H\u00f6rsch\u00e4digungen;<\/p>\n<p>c)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie beziehen sich auf Meilensteine der kindlichen Entwicklung und bieten dadurch objektivere Ma\u00dfst\u00e4be;<\/p>\n<p>d)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie bieten keine Vorteile, sondern vergleichen die individuelle Entwicklung nur mit einer fiktiven Norm.<\/p>\n<h1>Referenzen<\/h1>\n<p>Bleidick U (1992): Einf\u00fchrung in die Behindertenp\u00e4dagogik I. Allgemeine Theorie der Behindertenp\u00e4dagogik. Kohlhammer Stuttgart. 4. Auflage.<\/p>\n<p>Eberwein H &amp; Knauer S (2002) Handbuch der Integrationsp\u00e4dagogik. Weinheim.<\/p>\n<p>Hartmann N (1974): Mehrfachbehinderte h\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder in Baden W\u00fcrttemberg. H\u00f6rgesch\u00e4digtenp\u00e4dagogik 28, 99-105.<\/p>\n<p>Hintermair M (2003): Familie \u2013 H\u00f6rsch\u00e4digung \u2013 Zusatzbehinderung \u2013 eine zus\u00e4tzliche Herausforderung f\u00fcr Beratungs- und F\u00f6rderkonzepte? In: Klau\u00df T, Lamers W (Hrsg): Alle Kinder alles lehren &#8211; Grundlagen der P\u00e4dagogik f\u00fcr Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung, 27-283. Schindele Heidelberg.<\/p>\n<p>Hintermair M (2004): Die Situation von Familien mit mehrfachbehinderten h\u00f6rgesch\u00e4digten Kindern aus der Sicht von Fachleuten. Zeitschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik.<\/p>\n<p>Meadow-Orlans et al. (1995): Infants who are deaf or hard of hearing, with and without physical\/cognitive disabilities. American Annals of the Deaf 140, 279-286.<\/p>\n<p>Meadow-Orlans et al. (1997): Support services for parents and their children who are deaf or hard of hearing. American Annals of the deaf 142, 278-288.<\/p>\n<p>Rowell E G (1987): Learning disability assessment. In: Elliot H., Glass L., Evan JW. (eds.): Mental health assessment of deaf clients: A practical manual, 107-119. College Hill Boston.<\/p>\n<p>Schwope H (1995): Zur gegenw\u00e4rtigen Situation der p\u00e4dagogischen F\u00f6rderung mehrfachbehinderter h\u00f6rgesch\u00e4digter Kinder in Niedersachsen. H\u00f6rgesch\u00e4digtenp\u00e4dagogik 49, 319-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6rgesch\u00e4digte Kinder mit mehrfachen Behinderungen Gottfried Diller wendet sich den Fragen zu, die entstehen, wenn zus\u00e4tzliche Erschwernisse oder Behinderungen bei der F\u00f6rderung zu ber\u00fccksichtigen sind, z. B. durch weitere Sinnesbeeintr\u00e4chtigungen oder im Rahmen von Syndromen. 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